Robert James Fischer

Robert James Fischer

(geb. 1943)

Schachweltmeister 1972 - 1975

"Fischer machte Schach einfach zu einer aufregenden Sache, wann immer er sich ans Brett setzte." (Raymond Keene)

Robert James Fischer wurde am 9. März 1943 in Chicago, Illinois geboren. Sein Vater, Gerhard Fischer, war ein aus Deutschland eingewanderter Physiker, seine Mutter, Regine Wender, eine aus der Schweiz stammende Lehrerin. 1945 trennten sich seine Eltern und Bobby blieb mit seiner sechs Jahre älteren Schwester Joan bei seiner Mutter. 1948 zogen sie nach Mobile, Arizona. Ein Jahr später zogen sie nach Brooklyn, New York um. Hier arbeitete Bobbys Mutter als Kinderpflegerin. Die beiden Kinder blieben oft allein. Joan war dem sehr an ihr hängenden Bruder nicht nur Spielgefährtin, sondern auch Aufseherin. Diese Aufgabe bewältigte sie, indem sie den Bruder mit verschiedenen Spielen vertraut machte und ihm auch mancherlei Rätsel stellte, ausgezeichnet.

Bobby zeigte für alles Neue große Begeisterung. Als ihm aber die Schwester einmal ein Schachspiel schenkte, beschränkte sich sein Interesse einzig darauf. Zunächst schob er die Figuren auf dem Brett umher wie andere Kinder. Als er später auch noch ein Schachbuch erhielt, vertiefte er sich immer öfter darin.

Mit acht Jahren beteiligte er sich an einer Simultanvorstellung, die der Meister Max Pavey veranstaltete. Er musste sich allerdings schon nach 15 Minuten geschlagen geben. Diese Partie lenkte die Aufmerksamkeit des Sekretärs des Brooklyner Chess Clubs, Carmine Nigro, auf ihn. Dieser begann ihm, zusammen mit seinem Sohn, Schachunterricht zu erteilen.

Seit 1953 spielte Bobby in verschiedenen Lokalturnieren mit. 1955 belegte er im Turnier des Brooklyner Chess Clubs schon den 3.-5. Platz. Im Sommer desselben Jahres beteiligte er sich in Lincoln (Nebraska) an der Jugendmeisterschaft der Vereinigten Staaten. Aus 10 im Schweizer System ausgetragenen Runden erreichte er 5 Punkte und musste sich bei zwanzig Teilnehmern mit dem 11.-20. Platz begnügen.

1955 erzielte er im Washington Square Park, ein Turnier nach Schweizer System, 4½:3½ Punkte bei 32 Teilnehmern. 1955 wurde er Mitglied des berühmten New Yorker Manhattan Chess Clubs.

Bei der Greater New York City Meisterschaft 1956, belegte er den 5.-7. Platz und gewann die Class B Trophy. Fischer war auch Mitglied des New Jersey Log Cabin Chess Club.

Im März 1956 reiste er mit diesem Club nach Kuba und gab eine Simultanvorstellung im Capablanca Chess Club. Seine U.S. Chess Federation Wertung war zu dieser Zeit 1726.

Im April 1956 wurde er 21. bei der US-Amateur-Meisterschaft in Asbury Park, New Jersey.

1956 gewann er die Class A Trophy Meisterschaft des Manhattan Chess Club. Im Juli 1956 gewann er in Philadelphia mit 8½:1½ die Jugendmeisterschaft der Vereinigten Staaten.

Seine USCF-Wertung betrug zu dieser Zeit 1830. Mit 13 Jahren und vier Monaten war er der jüngste Spieler, der jemals die US-Jugendmeisterschaft gewinnen konnte. Im Sommer 1956 errang er in der in Oklahoma ausgetragenen offenen Meisterschaft der USA den 8. und einen Monat später in der kanadischen offenen Meisterschaft den 12. Platz.

Vom 6. bis 24. Oktober 1956 beteiligte er sich am 3. Rosenwald-Gedenkturnier und erreichte mit 4½ Punkten den 8.-9. Platz. Seine Gewinnpartie gegen Donald Byrne erhielt einen Schönheitspreis und wurde "Partie des Jahrhunderts" genannt.

Bei der Eastern States Open Meisterschaft in Washington D.C., erreichte er im November 1956 den 2.-5. Platz. Bei der Manhattan Chess Club Meisterschaft 1956/57 erreichte Fischer den 4. Platz.

Im März 1957 spielte Fischer einen Wettkampf mit Ex-Weltmeister Max Euwe in New York und verlor mit ½:1½. Im April 1957 gewann er die Metropolitan League in New York.

Im Juli 1957 wurde er Sechster in dem New Western Open in Milwaukee, Wisconsin. 1957 gewann er die US- Jugendmeisterschaft in San Francisco mit 8½ Punkten aus 9 Partien. Bei der 58. Offenen US- Meisterschaft in Cleveland, Ohio, teilte er sich (10 aus 12) mit Bisguier den 1.-2. Platz und erhielt 750 Dollar.

Seine offizielle USCF-Wertung stieg auf 2231 an und machte ihn mit 14 Jahren und 5 Monaten, zum jüngsten Spieler der Vereinigten Staaten, der Meisterstärke erreichte.

1957 spielte Fischer in New York jeweils einen Wettkampf mit Dr. Daniel Bennison und Rudolfo Tan Cardoso. Gegen Bennison gewann er 3½:1½, und gegen Cardoso mit 6: 2. Fischer wurde 1957 Turniersieger im New Jersey Open, und erreichte beim North Central Open in Milwaukee, Wisconsin, den 6. Platz.

1957/1958 gewann Fischer mit 14 Jahren die US- Meisterschaft (galt gleichzeitig als Zonenturnier) in New York mit 10½:2½ vor Reshevsky.

Fischers USCF-Wertung schnellte auf 2626 in die Höhe. Von nun an gewann Fischer außer Santa Monica 1966, jedes US-Turnier an dem er teilnahm.

Im August 1958 erreichte er den 5.-6. Platz im Interzonenturnier zu Portoroz und erwarb sich damit den Großmeistertitel. Gleichzeitig wurde er mit 15 Jahren und sechs Monaten der jüngste Weltmeisterschaftskandidat aller Zeiten.

Im Januar 1959 gewann Fischer die U.S. Meisterschaft mit 8½:2½. Während dieser Zeit besuchte Fischer die Erasmus High School, auf der auch Barbara Streisand war. Beide wurden gute Freunde. Später verließ Fischer die Schule und wurde Schachprofi.

Im April wurde er 3.-4. in Mar del Plata, Argentinien und im Mai in Zürich, Schweiz hinter Michail Tal und Svetozar Gligoric. Im September erreichte er beim Kandidatenturnier in Bled / Zagreb und Belgrad, dass von Michail Tal gewonnen wurde, den 5.-6. Platz.

Fischers USCF-Wertung betrug danach 2636 hinter Reshevsky's 2693.

Im Januar 1960 gewann Fischer wieder die US- Meisterschaft, diesmal mit 9:2. Im April teilte er sich den 1.-2. Platz in Mar del Plata mit Boris Spassky.

Im November spielte er für die USA am ersten Brett auf der Schacholympiade in Leipzig und erzielte ein Score von 13:5. Seine USCF-Wertung stieg auf 2641.

Im Januar 1961 gewann Fischer die US-Meisterschaft erneut mit 9:2. Im Juli spielte er ein Match gegen Reshevsky das mit 5½:5½ endete, nachdem die Verhandlungen scheiterten, dass Match bis zur nächsten Gewinnpartie fortzusetzen. Er wurde im Oktober Zweiter, hinter Tal, im Aljechin-Memorial in Bled, Jugoslawien.

Er führte nun in der USCF-Rangliste mit 2660.

Im März 1962 siegte er im Interzonenturnier zu Stockholm mit 19½:6½. Das war das erste Interzonenturnier, in dem ein sowjetischer Spieler nicht den ersten Platz erreichte. Im Mai wurde er Vierter im Kandidatenturnier zu Curacao, dass von Petrosjan gewonnen wurde. Später beschuldigte Fischer die Russen, dass diese ihre Partien untereinander absprachen und ihre Partien Remis spielten. Dieses Interview wurde in "Sports Illustrated" veröffentlicht.

Im Oktober spielte er am ersten Brett für die USA auf der Schacholympiade in Varna und erzielte ein Ergebnis von 11:6.

Seine USCF-Wertung stieg auf 2687.

Im Januar 1963, gewann Bobby die US-Meisterschaft mit 8:3. Seine einzige Niederlage erlitt er gegen Edmar Mednis. Fischer kündigte an, das er alle FIDE-Turniere boykottieren würde, bis die Russen aufhören würden, ihre Partien während eines Turniers untereinander abzusprechen.

Im Juli gewann er das Western Open in Bay City, Michigan, und im September das New York State Open mit einem perfekten Ergebnis von 7:0. Im November wollte er gegen 400 Gegner simultan spielen, was aber wegen des Attentates auf Präsident Kennedy und einem Feuer im Astor Hotel abgesagt wurde.

Am 1. Januar 1964, gewann Fischer die US- Meisterschaft mit 11:0! Für den Rest des Jahres tourte er durch die USA und gab Simultanvorstellungen.

Die erste internationale Ratingliste wurde 1964 von Dr. Arpad Elo veröffentlicht. Die Topspieler waren Fischer und Petrosjan mit 2690. Seine USCF-Wertung betrug 2734.

Im August 1965, beteiligte sich Fischer am 4. Capablanca Memorial auf Kuba. Da ihm die Einreise untersagt wurde, spielte er seine Partien im Marshall Chess Club in New York über Fernschreiber. Er teilte sich den 2.-4. Platz mit 15:6. Im Dezember gewann er die US-Meisterschaft mit 8½:2½.

Im Juli 1966, wurde Bobby zweiter hinter Spassky, beim Piatigorsky-Cup in Santa Monica. Über 1000 Besucher "kiebitzten" seine Partie gegen Boris Spassky, der größte Besuch wegen einer Schachpartie in der US-Geschichte.

Im November spielte er an Brett 1 für die USA auf der 17. Schacholympiade in Havanna und erzielte ein Score von 15:3.

Im Dezember gewann er die US-Meisterschaft mit 9½:1½. Dies war sein achter US-Meistertitel in Folge.

Im April 1967 erzielte Fischer den ersten Platz beim Turnier zu Monaco. Im August gewann er Skopje, Jugoslawien. Im Oktober beteiligte er sich am Interzonenturnier in Sousse, trat aber in Führung liegend, wegen Unstimmigkeiten mit der Turnierleitung vom Turnier zurück.

Seine USCF-Wertung kletterte auf 2762.

Im Juli und September 1968 wurde er Erster in Netanya, Israel und Vinkovci, Jugoslawien.

1969 beendete Bobby sein Buch "My 60 Memorable Games".

Im April 1970 spielte er am 2. Brett für die USA im Turnier "UdSSR gegen den Rest der Welt" in Belgrad. Sein Gegner war Tigran Petrosjan, den er mit 3:1 besiegte.

Anschließend gewann er die inoffizielle 5-Minuten-Blitz-Weltmeisterschaft mit 19:3. Nach dem Turnier gab Fischer alle seine 22 gespielten Partien, die insgesamt über 1000 Züge beinhalteten aus dem Gedächtnis wieder.

Er gewann im Mai 1970 ein Turnier in Rovini/Zagreb und im August In Buenos Aires.

Im September spielte er am 1. Brett für die USA auf der 19. Schacholympiade in Siegen. Im November verzichtete Pal Benkö auf seinen Startplatz für das Interzonenturnier Palma de Mallorca. Fischer erhielt seinen Platz und gewann das Turnier mit 18½:4½.

Beim Kandidatenturnier im Juni 1971 in Vancouver, Kanada, schlug er vernichtend im Viertelfinale den Russen Mark Taimanov mit 6:0. Nur einen Monat später fegte er den Dänen Bent Larsen im Halbfinale in Denver, Colorado ebenfalls mit 6:0 vom Brett. Seine Performance-Wertung schnellte auf 3060 in die Höhe!

Im Kandidatenfinale in Buenos Aires, besiegte er im September Tigran Petrosjan überzeugend mit 6½:2½ und wurde Herausforderer von Weltmeister Boris Spassky. Seine USCF-Wertung hatte danach mit 2825 ihren Gipfel erreicht.

Am 11. Juli 1972 begann das Match um die Weltmeisterschaft mit Boris Spassky in Reykjavik, Island. Am 1. September 1972 wurde Bobby 11. Weltmeister der Schachgeschichte mit einem Score von 12½:8½. Für diesen großartigen Erfolg erhielt Fischer 160.000 Dollar und zusätzliche 40.000 Dollar in Spesen.

Von nun an, spielte Fischer keine einzige offizielle Turnierpartie mehr. Seine letzte veröffentlichte USCF-Wertung betrug 2810, und seine FIDE-Wertung war 2785.

Am 3.April 1975, verlor Fischer seinen Titel an den Russen Anatoly Karpow, weil er zur Titelverteidigung nicht antrat. Große Unstimmigkeiten mit der FIDE, die seine unzähligen Forderungen nicht annehmen wollte, veranlasste Fischer zu diesem Entschluss.

1977 spielte Fischer drei Partien gegen das MIT Greenblatt-Computerprogramm, die er alle gewann.

Man versuchte Fischer wieder ans Brett zu bekommen, und bot ihm 250.000 Dollar für eine offizielle Partie im "Caesar's Palace" in Las Vegas und 3 Millionen Dollar für eine Teilnahme an einem Turnier auf den Philippinen - vergeblich.

Am 1. September 1992 kam Fischer aus seiner selbstgewählten 20-jährigen Isolation vom Turnierschach zurück und gab eine Pressekonferenz in Jugoslawien. Er missachtete die Warnungen des US-Departments für Finanzen, wegen der Sanktionen gegen Jugoslawien dort nicht zu spielen und handelte sich eine 10-jährige Gefängnis- und 250.000 Dollar Geldstrafe ein, sollte er in die USA zurückkehren.

Am 30. September begann das inoffizielle Re-Match mit Boris Spassky in Sveti Stefan, Jugoslawien. Das Match wurde durch Bankier Jedzimir Vasiljevic organisiert und finanziert.

Am 11. November gewann Fischer das Match mit 17½:12½ und kassierte 3,65 Millionen Dollar für seinen Erfolg. Als Verlierer erhielt Spassky noch 1,5 Millionen Dollar.

Im Juni 1996 stellte Bobby Fischer seine neuen Schachregeln auf einer Pressekonferenz in Argentinien vor.

Heute soll Fischer in Budapest, Ungarn leben, aber es gibt auch zahlreiche andere Gerüchte.

Fischer gewann den Schach-Oscar 1970, 1971, 1972

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