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SAISONVORSCHAU 2004/2005
 

Willkommen zurück auf der Erde
SK König Plauen steht vor bedeutsamen Jahr

Nach fünf Jahren Bundesliga, viel zu oft mit einer gehörigen Portion Prügel, ist der SK König Plauen wieder in der Wirklichkeit angekommen. Fast hatte man im Mai nach dem Abstieg und der Hauptversammlung das Gefühl, aus einem schönen Traum aufgewacht zu sein. Die I. Mannschaft kreuzte mit Anand & Co. die Klingen, die U20 wurde Fünfter in Deutschland, die U14-Mädchen holten sogar Bronze. Mit Robin Kamrla hatte sich seit Matthias Hörr endlich wieder ein Plauener Sachsenmeister für die DEM qualifiziert. König Plauen auf dem Gipfel des Machbaren.

Jetzt spielt der Verein wieder in der 2. Bundesliga – das ist immer noch erweiterte Spitze im schachverrückten Deutschland, aber irgendwie auch Symbol eines Rückbaus, einer Atempause. Bevor es weitergeht, sollte man sich in Plauen immer bewusst machen, dass es sich hierbei ausdrücklich NICHT um eine Niederlage, sondern einen absolut natürlichen Vorgang handelt, der – so könnte man meinen – vielleicht sogar ein oder zwei Jahre zu spät kam. Gefragt ist nun gesunder Menschenverstand (der hat den Verein erst so weit gebracht) statt Krisenmanagement (weil es keine Krise gibt).

Stefan Kindermann und Ulrich Dirr verließen uns, Viktor Gavrikov kam. Mit dem ehemaligen sowjetischen Landesmeister hatte der Klub wieder einen dieser unerklärbaren Glücksgriffe, denn einen in Plauen wohnhaften, zum Nachwuchstraining bereiten Großmeister hat es zu Bundesligazeiten nicht gegeben! Womöglich wird der Verein davon mehr profitieren als von der Publicity der letzten Jahre.

Zum besagten gesunden Menschenverstand gehört zu allererst ein vernünftiger finanzieller Konsolidierungskurs. Hier hat das Schiff schon die richtige Richtung eingeschlagen, denn das Budget für die I. Mannschaft wurde drastisch gekürzt und Anbahnungen von Größenwahn wurden im Keim erstickt. Sieben Bundesligawochenenden mit astronomischen Fahrt- und Übernachtungskosten sind auf vier eintägige Auswärtsfahrten geschrumpft. Spesen für Spieler werden nur noch vereinzelt anfallen.

 

Was aber kann der SK König 2004/05 sportlich erreichen? Wer vom sofortigen Wiederaufstieg spricht, verkennt immer noch die Realitäten. Eher wird es so sein, dass man sich im soliden Mittelfeld der 2. Bundesliga etablieren sollte, um einem totalen Absturz in die Oberliga frühzeitig zu entgehen. Mit Matthias Hörr wird erstmals seit Sven Schaller wieder ein Plauener Eigengewächs als Faststammspieler in der I. Mannschaft eingesetzt. Lion Pfeufer zählt ebenfalls zum Kreis der Ersatzleute. All das ist Teil der neuen und alten Nachwuchspolitik, auch wenn damit vielleicht der ein oder andere Kampf verloren geht. Tipp: Platz 5.

Konsequent war man auch in der Sachsenliga. Nach seinem hervorragenden Ergebnis 2003/04 bekommt Lion hier das 1. Brett. Von unserem Neuzugang Sergej Lozovoy aus Treuen wird ebenfalls einiges erwartet, er steigt am 4. Brett ein. Christof Beyer erhielt nach seinen guten Leistungen in den Punktspielen endlich einen Stammplatz. Durch die abzusehenden Ausfälle werden mit Frank Gerbeth, Christian Hörr, Stephan Buschmann, Daniel Butzke und Etienne Engelhardt weitere zuverlässige Eigengewächse die Chance auf einen Einsatz bekommen. Tipp: Platz 7.

Jochen Bandt musste drei Spieler aus der 1. Landesklasse in die Sachsenliga abgeben, doch unser neuer tschechischer Freund Tomas Zeleny (DWZ 2241) wird in den wichtigen Spielen eine absolute Verstärkung am 1. Brett sein. Christian Hörr rückt nach einem soliden Jahr ans 3. Brett vor. Johannes Titz und Stephan Buschmann sind nach den Ergebnissen aus Geithain neu in die Mannschaft gekommen. Dennoch wird für die Dritte der Klassenerhalt wieder ein Kraftakt. Zwar birgt die junge Truppe erneut viel Potential, jedoch wird der Aderlass an die beiden höherklassigen Teams unvermeidbar sein. Tipp: Platz 8 ist möglich, wenn die entscheidenden Spiele wieder gut verlaufen.

Auch die IV. Mannschaft wird vom Nachwuchs angeführt. Theresa Reh soll unter Mithilfe von Dieter Kunz und ihrer Schwester Rebecca das Oktett wieder ins Mittelfeld der Bezirksliga steuern. Tipp: Wenn es für die gesetzten Spieler der Mannschaft wieder etwas nach oben geht, sollte sogar Platz 3 oder 4 drin sein.

Völlig unbeschwert, weil aller Abstiegssorgen ledig, kann Peter Lubans Kindermannschaft in der 2. Bezirksklasse aufspielen. Hier geht es vordergründig um Spielpraxis und Wertzahlzugewinn. Vom Wiederaufstieg in die 1. Bezirksklasse wird man frühestens in zwei Jahren sprechen können.

Die VI. Mannschaft wurde abgeschafft, weil die Anzahl der unbesetzten Bretter in der abgelaufenen Saison schon an der Grenze zur Unsportlichkeit lag. Die so neu gewonnene Flexibilität könnte insgesamt den ein oder anderen wichtigen Punkt mehr bedeuten.

 

Besonders im Nachwuchsbereich will man wieder angreifen. Für den Stolz des Vereins, die U20-Mannschaft, ist wegen der steten Entwicklung und nichtzuletzt wegen der drei Neuzugänge Zeleny, Lozovoy und Titz der Sachsenmeistertitel greifbarer denn je. Vier 2000er – damit sollte man Dresden endlich Paroli bieten können. In der U16 wäre alles andere als der Wiederaufstieg in die Sachsenliga eine Enttäuschung. Es wird Zeit, endlich wieder im Konzert der Großen mitzuspielen. Die U14-Mädels haben sich erneut als Sachsenmeister für Deutschland qualifiziert. Nach zweimal Bronze wird es dieses Jahr im Dezember vielleicht sogar Silber oder Gold?

 

Der SK König Plauen steht vor einem wegweisenden Schachjahr. Weiterhin Vorzeigeklub oder Abrutsch in die Mittelmäßigkeit? Bei dem Potential, um das uns viele andere Vereine aus der Region beneiden, sollte die Antwort eigentlich klar sein. ... Auf geht's zu neuen Ufern!

 

Christian Hörr
Copyright © 2001- 2010 by Christian Hörr
letzte Änderung: 31.08.2004