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LITERATUR
8. Juli 2003

JK Mayo: "Cry Havoc"

Cry 'Havoc,' and let slip the dogs of war.

(Shakespeare, Julius Cäsar 3,1)


Jede Menge Vorschußlorbeeren schmücken den Umschlag von "Cry Havoc”; schnell geschrieben soll es sein, spannend, intelligent und tatsächlich, Mayo packt und fesselt den Leser von der ersten Seite an – als der alte Literaturprofessor zwei ausgebuffte Berufskiller nach allen Regeln der Kunst kaltstellt – und… lässt ihn dann wieder fallen. Die Enttäuschung des frühen Coitus Interruptus wird auch nicht gemildert durch ein doch noch halbwegs befriedigendes, zumindest spannendes Ende. Dazwischen liegen einfach zu viele plane Dialoge, undurchschaubare Verwicklungen, unglaubhafte Begebenheiten und zu viele irrelevante Personen. Und auch die Geschichte eines geheimdienstinternen Machtkampfes, sei er auch noch so blutig, verwoben mit alten Kriegsverbrechen, organisierter Kriminalität, diplomatischer Intrige und all das, wirkt eher hausbacken, ja selbst der vielgelobte Spitzenspion Harry Seddall, der in der Tradition Bonds und Hannays stehen soll, entpuppt sich als blasierter schöne-Sprüche-Klopfer. An Bösewichter zudem, die Shakespeare oder T.S. Eliot zitieren, bevor sie killen, will man auch nicht recht glauben.

Worauf man zumindest hoffen konnte, war das Schach, nimmt man das dramatische Cover vom roten Turm, in lohenden Flammen stehend, und vom in englische Tracht gekleideten Springer ernst. Doch auch hier leider Fehlanzeige. Nur ein einziges Mal findet das mitunter so gewaltsame Spiel Erwähnung, um eine Außenseiterin, das erste Opfer, zu charakterisieren: "…and played chess by herself against a computer" (122), was soviel heißt, wie: schaut, so seltsam war die Frau. Darüber hinaus wird man nichts finden, egal wie man es dreht und wendet.

Fazit: Man muss dem Umschlagrezensenten widersprechen, der behauptet von nun an alles mit großer Erwartung zu lesen, was der Feder Mayos entstammt. Genau das Gegenteil ist der Fall, es sei denn – das nächste Buch hätte wirklich was mit Schach zu tun!

(J K Mayo: Cry Havoc. A Harry Seddall Thriller. London 1993 (1990). 298 Seiten)

 

--- Jörg Seidel, 08.07.2003 ---


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