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9. Oktober 2001

Kingpin? Mehr!

Hurra, die neue "Kingpin" ist da, Englands lustigste Schachzeitung und überhaupt die beste, die ich je zu Gesicht bekam. Kennen gelernt hatte ich sie auf einem "congress", einem Turnier, wo einige Handexemplare herumlagen. Erst zu Hause wurde mir klar, welchen Schatz ich da an Land gezogen hatte. Ich kam aus dem Lachen nicht mehr heraus. Bis dahin wusste ich gar nicht, dass Schach lustig sein kann, wenn man mal von William Hartstons - einem Engländer, welch ein Zufall - "Wie man im Schach bescheißt" absieht. Das Abo war wenige Tage später Geschichte und natürlich machte ich von dem großzügigen Angebot, alle noch vorhandenen Nummern zum Sonderpreis gleich mit zu bestellen, Gebrauch.

Nun bin ich stolzer Besitzer fast aller Hefte von Nummer 14 an und das reicht immerhin in das Jahr 1988 zurück. Es ist zudem interessant zu verfolgen, wie die Zeitschrift sich mauserte in all den Jahren, vom dreißigseitigen Heftchen mit ein paar lustigen Partiekommentaren bis zum nun fast siebzigseitigen, großformatigen Glanzexemplar, aber auch vom 1,40 £ zum 4 £ - Produkt. Aber das ist es allemal wert. Keines der Hefte hat enttäuscht. Schon der Name ist Programm, nicht nur bedeutet er "Königsfesselung", also Unsinn, nonsense, er lässt auch den antiken chinesischen und klassischen erotischen Roman "Kin Pin Meh" anklingen. Keine Sorge, den Leser erwartet nun keine schwarz-weiß-karierte Gruselerotik‚ à la Peter Krystufek, sie ist ohnehin nur am Rande ein Thema im eher prüden Albion, aber geballte Ladungen Schlüpfrigkeit darf man sich schon erhoffen; Verbalerotik auf englische Art, wenn man so will. Da geht es schon mal hart zur Sache, aber eben immer mit einem befriedenden Lächeln. Die Themen sind zugegebenermaßen sehr englisch, wie auch der Witz. Unvergesslich bleibt Stuart Conquests genialer Artikel "The Prizegiving" (Heft 33). Warum, so fragt man sich, gibt es unter den zahlreichen deutschen GM's, IM's, FM's scheinbar niemanden, der an Witz, Sprachgewandtheit, Selbstironie und Lockerheit da mithalten kann (Robert Hübner ist wohl die einzige Ausnahme)?

Und fast alles, was auf der Insel Rang und Namen hat, schreibt für das, im Vergleich zum "British Chess Magazine" und "Chess", noch immer wenig bekannten Blatt: Jim Plaskett, Chris Ward, Malcolm Pein, Michael Basman, Graham Burgess, John Emms, Nigel Davis, Tony Kosten, Cathy Forbes, Aaron Summerscale, John Nunn ... und alle machen das auf sehr lesenswerte Art und Weise. Das scheint den Engländern, Schotten, Iren und Wallisern irgendwie im Blut zu liegen. Selbst internationale Größen bereichern es: Edward Winter, Shaun Taulbut, Eduard Gufeld, Yasser Seirawan u.a. oft auf wirklich hohem, fast möchte man sagen philosophischem Niveau. Regelmäßiger Höhepunkt ist "Gary Lane's Agony Column", in der der beliebte IM mit unnachahmlichem gepfefferten Spott auf tatsächliche und erfundene Leserpost antwortet. Tradition ist neben der "Hack Attack", einer Eröffnungskolumne für den etwas anderen Spieler, auch ein einführendes Interview mit einer Schachgröße: Pia Cramling, Peter Swidler, Bent Larsen, Michael Adams, um nur die berühmtesten zu nennen, haben sich der Prozedur schon unterzogen. Wer nicht für Kingpin schreibt, der ist offensichtlich ein "major target" für das Blatt, insbesondere der umtriebige Bonvivant Raymond Keene, zeitgleich mit Tony Miles Englands erster Großmeister, der heutzutage hinter den Kulissen die Fäden zieht und dabei Millionen bewegt, aber auch Nigel Short, dessen mitunter brachiale Sprache unangenehm anrührt und dessen Auswanderung nach Griechenland man ihm scheinbar nicht so recht verzeihen will, werden selten verschont, ja, dass Kasparow regelmäßig sein Fett abbekommt, kann niemanden überraschen.

Dabei ist die Zeitschrift nicht nur "fun". Man findet ausgiebig interessantes Material auch zu den üblichen Themen: Eröffnungen - wenn auch mitunter ganz verrückte Sachen -, Partieanalysen, Turnierberichte, Schachgeschichte, Buchkritik, regelmäßig ein Interview mit einer "chess celebrity...", das gesamte Spektrum wird abgedeckt und alles im Tone der Leichtigkeit. Der macht hier die Musik, eine in Deutschland wohl bislang unerhörte.

Also, wer kann und will, der sollte auf die nächste Nummer nicht verzichten. Einen ersten Einblick gibt die folgende Webseite: http://www.chesscenter.com/kingpin/Kingpin/

Das Jahresabo für Europa kostet 14 £, unbedingt überlegenswert ist es, für 20 £ gleich die noch vorhandenen circa 15 Hefte zu erwerben!! Einziger Nachteil ist das unregelmäßige Erscheinen der Zeitschrift, die zwar als Vierteljahresveröffentlichung geführt wird, man aber trotzdem auch mal ein drei-viertel Jahr warten muss, um die langersehnte neue Ausgabe in den Händen zu halten.

Bestellungen sind möglich unter:

27, Quebec Road,
Ilford,
Essex IG1 4TT,
England
Tel : +44 (0)20 8252 - 1233
E-Mail: jon_manley@msn.com
Raymond Keene, der Mann hinter den Kulissen

Noch einige Stimmen:

'Please, do people really believe what they read in Kingpin? I am amazed! It's like taking a satirical show and mistaking it for the news.' (Raymond Keene, OBE Chess Café)

'an entertaining, irreverent chess magazine that takes you over to the lighter side with verve and panache' (Chess Café)

'unquestionably the funniest chess magazine in the world' (Chess Horizons)

'Both serious and funny, I recommend it to anyone who wants to smile as he reads.' (Jeremy Silman, Inside Chess)

'one of my favorite magazines' (Yasser Seirawan)

'The joy of chess is nowhere celebrated to such climactic excesses as in Kingpin...' (William Hartston, The Independent)

'It seems to me that you haven't quite achieved the manic, off-the-wall style of humour that Informator manages so well, but you run them a pretty good second.' (Stephen Fry)

'Kingpin is the magazine I most enjoy ... Gary Lane's agony column is a must for all chess addicts.' (Susan Lalic, Your Chess Questions Answered)

'Britain's most entertaining chess magazine' (Scotland on Sunday)

'Aside from being funny, Kingpin is often pretty controversial too, with many an allegation or insinuation strewn amongst its pages.' (James Plaskett, New Statesman)

'Utterly irreverent ... genuine wit ... good instruction for club players.' (William Hartston, The Independent)

'Undoubtedly the most interesting and witty chess magazine available...' (Angus Dunnington, Yorkshire Post)

'Its rather coarse satirical manner may not appeal to everyone - just the majority of us who enjoy sharp games and low humour.' (George Botterill, New Statesman)

 

Gambit kommt von "Bein"
Typisch englischer Humor: hart und historisch
Der neue Weltmeister
(hier zusammen mit A. Karpow)
Stuart Conquest beim Bier

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