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Glanz und Elend der "Rochade"
Bei diesem Artikel
handelt es sich – mehr als sonst – um eine persönliche
Meinung. Ich weiß aus zahlreichen privaten Gesprächen,
dass viele Menschen sie im Großen und Ganzen teilen,
würde aber nicht daraus schließen, für eine Allgemeinheit
zu sprechen. Es ist nicht Sinn und Zweck, die nachfolgend
erwähnten Personen als solche zu kritisieren, sondern
einzig und allein deren Veröffentlichungen oder Wirken
in der "Rochade".
Jörg
Seidel
Nun reichts! Peter Krystufek hat wieder
zugeschlagen! Man kann ihn offensichtlich nicht mit
Leserbriefen stoppen und auch die "Rochade"
nicht davon überzeugen, diesen Idiotien –
auf unsere Kosten! – keinen Raum mehr zu bieten.
Aber Krystufeks Bilder und Artikel sind nur die hässlichste
Beule eines weitverbreiteten Ausschlags in Deutschlands
größter Schachzeitschrift – und schlechtester!
Sie hat einige Vorteile, unbestritten; der offensichtlichste
ist der Preis. 96 großformatige Seiten für
5 Mark, das ist beispiellos, auch international. Wenn
sie im Volksmund die "Bildzeitung des Schachs"
genannt wird, dann wohl deswegen: viel Mist für
wenig Geld.

Man wird hoffentlich nicht erwarten,
dass die Zeitschrift für die Erfüllung ihrer
Pflicht gelobt wird. Nein, fachmännische Partieanalysen,
Turnierberichte, Veranstaltungskalender, gelegentlich
wertvolle Theorieartikel, Leserwettbewerbe etc., das
alles findet man (auch) in der "Rochade",
aber das darf man voraussetzen, es ist folglich der
Rede nicht wert, zumindest nicht sofern es nicht überragend
präsentiert wird.
Aber es ist durchaus legitim, sich über
die zahlreichen Mängel auszulassen und die meisten
dieser Mängel haben einen Namen und Methode. Der
"Bild"-Vergleich hinkt auf der anderen Seite
aus wesentlich zwei Gründen. Erstens ermangelt
es des obligatorischen (und relativ professionell gemachten
– Hände weg davon, Herr Krystufek!) oben-ohne-Bildes,
(wenn schon, denn schon) und der Auseinandersetzung
mit dem Sexleben unserer Schachhelden und zweitens scheint
so etwas wie ein redaktioneller Eingriff oder ein Lektor
vollkommen zu fehlen. Deshalb kann in der "Rochade"
offensichtlich jeder alles sagen. Niemand fühlt
sich bemüßigt, inhaltlich zu orientieren
oder auch nur helfend einzugreifen, denn einige Schreiberlinge
werden ihres Werkzeuges wohl nicht Herr. Briefe russischer
GMs, die des Deutschen kaum mächtig sind,
werden nicht verbessert oder die Person wenigstens auf
die Peinlichkeit aufmerksam gemacht, offensichtlich
nicht autorisierte Beiträge werden veröffentlicht
(10/02, 77) oder lagern erst zwei Jahre, bis der erstaunte
Verfasser, mittlerweile längst anderer Meinung,
rufen muss: "Hilfe, ich bin in der Rochade",
verbale Ausrutscher auch gestandener Mitarbeiter passieren
unbemerkt (oder böswillig?) die Redaktion ebenso
wie schrecklich unvorteilhafte Bilder (z.B. der schweißtriefende
Barlov in 8/99, 37 oder ein völlig indisponierter
Karpow in einer ganzen Bilderserie in Heft 8/02, 94f.)
und selbstverblendeten Wichtigtuern wird ein Forum geboten
für Spinnereien und Schweinereien. Wahrscheinlich
glaubt sich das Redaktionsteam dabei als Vorreiter der
Demokratie und der Meinungsfreiheit und bemerkt nicht,
dass es nicht um Zensur geht – wer was zu sagen
hat, dem soll die Bühne offen stehen – sondern
lediglich um eine qualitative Auswahl, nicht zuletzt
zum Selbstschutz der Autoren und zum Schutz der Leser!
Selbstredend ist die Redaktion nicht für die Artikel
der Autoren verantwortlich zu machen, wohl aber für
deren Veröffentlichung! Jede Zeitschrift besitzt
eine programmatische Ausrichtung, ein Statut, ein Ziel,
was auch immer, und dem haben sich die Beiträge
unterzuordnen. Allein die "Rochade" scheint
da eine Ausnahme bilden zu wollen und bringt jeden Furz,
der irgendwie in die Redaktionsstube dringt. Sie wäre
demzufolge keine Zeitschrift, sondern lediglich ein
Anzeigenblatt. Kein Problem damit!, nur sollte man sich
dazu auch bekennen. (Daher die Aufforderung: Schicken
Sie alles ein, liebe Leser, was Ihnen in den Sinn kommt
und irgendwie mit Schach, oder auch nicht, in Beziehung
steht; früher oder später wird man es in der
"Rochade" veröffentlichen.)
Als ich mich vor ca. 2 Jahren mit ähnlichen
Überlegungen via Email an Carsten Köhler,
Herausgeber, wandte (leider ist die Mail einem Computerabsturz
zum Opfer gefallen, aber vielleicht liegt sie ja noch
in Sömmerda) und ihn mit der Idee konfrontierte,
da kam die lakonische Antwort (so oder ähnlich):
"Na, haben Sies endlich gemerkt?". Um
ehrlich zu sein, so richtig kann ichs noch immer
nicht glauben.
Mit dieser arroganten Selbstgewissheit
macht sich das Blatt von vornherein kritikresistent.
Wie viele Leserbriefe mag es gegeben haben, die diese
und andere Missstände in verschiedensten Tonlagen
anprangerten? Die selbstauferlegte Immunität gestattet
es der Redaktion, diese Zeugnisse einer weit verbreiteten
öffentlichen Unzufriedenheit mit zynischer Geste
der Lächerlichkeit preiszugeben, indem man sie
unkommentiert publiziert und somit dem Beschwerdeführer
klar macht, wie wenig seine Meinung zählt und im
Übrigen so weitermacht wie bisher. Ironischerweise
scheint man auf diesen Stil auch noch stolz zu sein.
Anlässlich des 70. Geburtstags von Heinz Köhler,
dem Gründer des Blattes, durfte man etwa folgendes
von ihm (?) vernehmen: "Auch im Ausland wird die
Rochade geschätzt, vor allem wegen ihres Umfangs
zum niedrigen Preis sowie dem ausgiebigen Turnierkalender"
(8/01, 21). Mit dem Argument kann sich auch der Quelle-Katalog
empfehlen. Merkt man denn nicht, dass da rein quantitative
Kriterien für Qualitätseinschätzungen
missbraucht werden? Kann denn ein niedriger Preis losgelöst
vom Gegenstand ein Wert an sich sein? Diskreditiert
sich das Blatt damit nicht selbst als "billig"?
Im gleichen Artikel von Hartmut Metz wird Köhler
weiter zitiert: "Unsere Vielfalt ist und bleibt
ein Pluspunkt der Rochade, es werden Themen behandelt,
die die anderen nicht bringen. Wir bieten so für
viele ein Forum. Man kann es natürlich nicht allen
Recht machen. Es gibt auch Beschwerden, weil wir fast
alles drucken". Und lachend ergänzt
er: "Manchmal ist das ein Nachteil". Beliebigkeit
als Konzept! Die gesamte Attitüde wird auch in
einem Erratum deutlich, in dem Köhler Daten über
sich selbst in der dritten Person berichtigt (9/01,
3). Solange freilich niemand von Rang – der gemeine
Leser scheint ja nicht zu interessieren – den Finger
in die Wunde legt, wird sich da wohl nichts ändern.
Alfred Schyla, Präsident des Deutschen Schachbundes,
tat dies in seinem Dankschreiben an Köhler zwar,
ungewollt, wenn er sich dafür bedankt, dass "die
deutschen Schachspielerinnen und –spieler in der
ganzen Schachwelt am umfangreichsten informiert
sind" (9/01, 22), doch scheint weder er noch der
Adressat bemerkt zu haben, dass man erneut ein quantitatives
Kriterium zum Maßstab nahm.
Die Ärgernisse selbst haben, neben
den systematischen, zumeist einen Namen [1] (in alphabetischer
Reihenfolge).
z.B. Claus Carstens:
Für mich ist CC und seine "Hohe
Schule des Computerschachs" ein Klassiker, ein
Komiker, so schlecht und plump, dass er schon wieder
gut ist.

Drei Dinge vor allem machen CC so attraktiv:
seine Identität, seine Partien, seine Kommentare.
Niemand kennt ihn, niemand hat ihn je gesehen, er taucht
in keiner DWZ-Liste auf, er spielt keine Turniere und
doch schickt er in ruhiger Regelmäßigkeit,
mit arrogantem Lächeln, spektakulär gewonnene
Gambitpartien gegen Spitzenrechner ein und seit je erhitzen
sich die Gemüter, pro und contra. Die gewagtesten
unter ihnen kamen gar zu dem Schluss: "CC ist lediglich
eine Fiktion, ein Mythos geschaffen von der Rochade-Redaktion"
(6/98, 51) oder vermuten hinter der ewiggrinsenden Maske
niemand geringeres als Bobby Fischer leibhaftig (11/01,
80). Andere hingegen nehmen ihn zum allmonatlichen Ärgernis,
sind "maßlos irritiert" und verärgert
über seine "überhebliche Selbstdarstellung"
(8/98, 89), werfen ihm mehr oder weniger direkt Ideenraub
(4/99, 93) und Computermanipulation oder sonstigen Betrug
vor (2/98, 63) oder aber feiern seine "brillanten"
Partien und fordern "die Hochachtung aller Schachspieler,
zeigt er doch das eine wie das andere mal, wie man auf
unübertreffliche Art und Weise gegen die Totengräber
des gepflegten Schachspiels gewinnen kann" (12/98,
72). Tatsächlich darf man an der Identität
zweifeln; zu unterschiedlich sind die gelieferten Analysen,
mal reißerisch und überheblich, mal ruhig,
sachlich und bescheiden (4/01, 65). Wenn CC fiktiv ist,
so verbergen sich hinter dem Namen vielleicht mehrere
(möglicherweise ist der Artikel in 4/99, S. 29
am verräterischsten)?
Aber seien wir ehrlich: Kann, ja darf
man jemanden ernst nehmen, der seine Leserschaft, ob
nun bewundernd oder ablehnend, mit Worten wie diesen
begrüßt: "Der Adler grüßt
die Maulwürfe" (10/98, 40) und sie verabschiedet
mit: "Stumm und verdattert schaut das Fahrerlager
der Dreiradfahrer drein" (5/01, 21) oder der von
sich selber schreibt: "Noch einmal hat der Hohepriester
des Computerschachs große Schachkunst zelebriert"
(6/99, 73), der seine eigenen Partien fix zu "Klassikern"
erhebt etc.? Ist das nicht alles nur ein Gimmick? Vielleicht
die originellste Idee der Redaktion, die es mitunter
nicht unterlassen kann ein kleines verfängliches
Zitat in CCs Nähe zu platzieren: "Die
Leute können ein Großmaul nicht ausstehen,
aber zuhören werden sie immer" von Mohammed
Ali (6/01, 73).
Inwieweit Carstens Partien genauerer
Analyse standhalten, ob es sich tatsächlich um
"Märchenschach" handelt, vermag ich nicht
einzuschätzen, aber dass die Spiele mehr als unterhaltend
sind, steht fest, wenn auch gelegentlich, wie in der
folgenden Partie, in der er die berühmte "Carstens-Eröffnung"
spielt, der Schalk noch hinter den Zügen wahrnehmbar
ist. Trotzdem ist es hochinteressant und aufschlussreich,
die Kommentare der beiden Kombattanten zu vergleichen
[2], die vollkommen differieren!
Carstens
- Fritz 5 [A22]
"Rochade" (7/98, 101)
[Fritz 5.32 (61s)]
Zur Sommerpause erwartet die
Computerschach-Fangemeinde zwar leichte, aber doch gehaltvolle
Programmkost, und so habe ich den "Primus inter
pares" FRITZ5 mit einer Neuerung in "meiner"
Eröffnung konfrontiert, welcher das Programm ahnungs-
und hilflos gegenüberstand. Folgendermaßen
verlief meine Turnierpartie auf einem K6 200 (die von
Weiß verbrauchte Bedenkzeit tendierte gegen Null,
da es sich um "meine" bis ins kleinste ausanalysierte
Eröffnung handelte):
1.e4 e5 2.c4 Sc6 3.Sc3 Sf6 4.h4 letzter
Buchzug 4...Lc5 5.Sh3=+
(–0.69) [5.g4 Ld4=+] 5...d6 6.d3 Sd4
Schwarz besetzt das Schlüsselfeld
d4 / Weiß baut unbeirrt
"sein" System auf, während Schwarz ohne
Hilfe der Eröffnungsbibliothek lediglich stereotype
Entwicklungszüge produziert. 7.Le3 0–0
8.Lg5 h6 9.f4??–+
führt zu weiteren Sorgen (-3.22) [besser ist 9.Le3=+]
/ f4!! ...Kühn und doch berechnend
gespielt! Schwarz fällt prompt in die gestellte
Falle...9...hxg5?
10.hxg5 Weiß entwickelt
Drohungen in der offenen h-Linie 10...Sg4?
11.f5!! –+
(-2.71) und Weiß
macht den Sack zu. Schwarz hat bereits verloren und
steht ohne den Hauch einer Chance da. Die geplante Reiterattacke
wird offensichtlich überbewertet und verläuft
alsbald im Sande.11...Lxf5!–+
nun ist alles klar 12.exf5 Se3 13.Dh5=
Droht Matt: Sf4 / Selbstverständlich!
Sdc2+

14.Kd2 Te8
(+14.78) [14...Sxf5 15.Sf4 setzt den Vorteil folgerichtig
um f6 16.Dh7+ Kf7 17.Dg6+ Ke7 18.Scd5+ Kd7 19.Dxf5+
Kc6!!] / Lasch fortgesetzt,
Weiß sagte ein matt in 8 Zügen an!
15.Sf4+–!!
ein feines Opfer. Es droht Matt Kf8 16.f6
Dxf6 17.gxf6 17...gxf6! hübsch
18.Sfd5 Züge wie diese
demonstrieren eindrucksvoll die Geschmeidigkeit des
weißen Aufbaus, der auf alle Widerlegungsversuche
des Gegners einen Trumpf in petto hat. Sxc4+
19.dxc4 Le3+ 20.Kxc2 Kg7 21.Dh7+ Kf8 22.Dh8# 1–0
Weiß wartet
wiederum mit einer köstlichen Neuerung in dieser
erstaunlichen Variante auf, der auch alle anderen Spitzenprogramme
bereits zum Opfer gefallen sind. Fritz5 schallt es vonseiten
seiner Mitstreiter entgegen: "Glaubst Du zu gewinnen,
wo wir verloren?" Der Moment ist gekommen, innezuhalten
im ausgereizten Wettkampf gegen die heutigen Spitzenprogramme
im Computerschach und abzuwarten, bis eine neue Generation
von noch stärkerer Software nochmals stark verbesserter
Hardware zu neuem Tun herausfordert.
z.B. Dr. Martin Dissertori:
ist zwar kein Mitarbeiter der "Rochade",
kann aber als jener Typus eines Wirrkopfes figurieren,
denen das Blatt unkontrolliert Öffentlichkeit verschafft,
eine Öffentlichkeit, die ansonsten nur noch das
Internet bietet. Dr. Dissertori, der sich gelegentlich
auch schon mal zum Professor macht (4/98, 16) schleust
seine Botschaft zumeist über Leserbriefe ein, mitunter
schafft er es auch, ein Bild unterzubringen. Die Botschaft
lautet: Trans Light Energy! Auch wenn es ihm nie recht
gelingt, klar zu machen, worum es sich dabei eigentlich
handelt, so trägt er sein skurriles Ansinnen doch
hartnäckig und euphorisch immer wieder vor und
koppelt dies gern mit aktuellen Ereignissen und Diskussionen,
sei es nun die Abbildung einer karikierenden Schachgrußkarte,
die Napoleon mit der entblößten Madame de
Remusat zeigt und die Dissertori vollkommen ernst zu
nehmen scheint, sei es Kasparows Weigerung Schirow im
WM-Kampf zu spielen, sei es Kramniks Sieg im Jahre 2000
usw., immer und überall hat Dissertori, der 1993
über Teilhard de Chardin promovierte [3], den selben
Rat und die gleiche Erklärung: "die Unterstützung
der Priesterinnen der TRANS LIGHT ENERGY
Chess Goddess/Schach-Göttin Caissa"
(12/98, 72). Dabei geht es, machen wir uns das noch
einmal klar, "um die Mystifizierung der von William
Jones in seinen Werken geschaffenen Figur der Schach-Göttin
Caissa", die im Übrigen "nichts mit Erotik
zu tun hat" (4/98, 16), oder doch?: "Sicher
ist auch die Mythologie der Schach-Göttin Caissa
mit erotischen Elementen verknüpft (2/99, 48).
Vielleicht liegt da sein heimliches Problem, das er
immer wieder so wortgewaltig an den Mann bringen muss?
"Ich würde es jedenfalls sehr begrüßen,
wenn Seine Kaiserliche Hoheit (d.i. Napoleon)
sich stets dazu entschließen konnte, seinen schachlichen
Kontrahentinnen und Widersachern faire Bedingungen einzuräumen
und wäre ziemlich traurig darüber, wenn dies
nicht der Fall war" (ebd.).
Unermüdlich verfolgt er seine Mission
und wenn nicht in der "Rochade", dann im Internet
auf der Webseite der – raten Sie mal – der
"Rochade". Dort lesen wir folgende Nachrichten:
- (1.6.01) Suche Sponsoren (und evtl. VeranstalterInnen)
für "EXHIBITION- Show"-Schach-Partien
von behinderten SchachspielerInnen - mit "PSI"
unterstützt von PRIESTERINNEN der SCHACH-GÖTTIN
CAISSA - gegen GroßmeisterInnen (diese als BlindspielerInnen):
Dr.Martin Dissertori, I - 39050 St.Pauls-Eppan(BZ)
an der Südtiroler Weinstraße, Luziafeldweg
11, Tel./Fax: 0039 0471 662 544, e-mail Arbeitsplatz:
martin.bzgsal@gvcc.net (Internet-Web-Seite: www.translightenergy-sieg.de
/ leider anscheinend immer noch Probleme mit einem
"Hacker")
- (3.12.02) 2 besondere Schach - Farbfoto - Postkarten:
Priesterinnen von Caissa ... - und ihrer SIEGES -
ENERGIE ... - TRANS LIGHT ENERGY: Dr. Martin Dissertori,
I - 39050 St.Pauls-Eppan an der Südtiroler Weinstraße
(BZ), Luziafeldweg 11; Fon/Fax: 0039-0471662544 /
E-Mail: martin.bzgsal@gvcc.net (Büro)
http://ourworld.compuserve.com/homepages/rochade/boerse.htm
Es ist nur zu hoffen, dass alle "SchachspielerInnen"
so weise waren abzulehnen, wie Andrea Hafenstein, der
Dr. Dissertori ebenfalls antrug "Priesterin und
T R A N S L I G H T E N E R G Y – M e s s a g e
– Werbeträgerin" zu werden und, als Gegenleistung,
dafür sogar ein Exemplar ihres Buches "Schach
dem Tumor" zu kaufen [4].
Der Mann weiß offensichtlich, wie man Seelen fängt.
Man könnte eigentlich auch nur darüber
lachen, insbesondere wenn man größenwahnsinnige
Angebote wie diese liest: "Nach Informationen,
die ich Ende März erhalten habe, versucht Garri
Kasparow den Weltmeisterschaftskampf gegen seinen regulären,
legitimen WCC Herausforderer Alexej Schirow
zu
vermeiden, weil er die Trans Light Energy-Unterstützung
fürchtet – durch die Hohepriesterin der Chess
Godess-Schachgöttin Caissa, die ich Schirow
für dieses Match anbiete. Nach mir vorliegenden
Informationen geht Kasparow davon aus, dass er den Kampf
um die Krone gegen Schirow verliert, wenn es diesem
gelingt, die Trans Light Energy-Hilfestellung
voll zu nützen – was ihm ermöglicht,
sein eigenes Leistungspotential maximal zu entfalten,
optimal zu verwerten" (7/99, 65), wir wiederholen,
die "dargebotene psychomentale "PSI"-Hilfestellung
voll (optimal, maximal, restlos, total) zu nutzen"
(12/98, 72). Aber das Lachen bleibt einem mitunter im
Halse stecken, wenn Dissertoris Briefpredigten bedenklichere
Töne annehmen, etwa mit antisemitischen Nuancen:
"Übrigens: Soviel mir bekannt ist, ließ
Kasparow seinerzeit seinen ehemaligen Namen Weinstein
aus Gründen der Magie umändern" (7/99,
65). Im darauffolgenden Monat wird das ganze Palaver
durch eine dummdreiste Zeichnung unterstützt, in
der Kasparow als Karikatur "des Juden" dem
blonden Schirow gegenübersitzt. (8/99, 73), was
Dissertori wiederum dazu zwingt – hat es Proteste
gegeben? – sich nur als "Auftraggeber"
der Zeichnung zu outen (9/99, 22).

Lassen wir diesen Gesamtwitz mit einem
solchen enden: "Übrigens: Soviel mir bekannt
ist, ließ Kasparow seinerzeit seinen ehemaligen
Namen Weinstein aus Gründen der Magie umändern
– weil der Name Kasparow alle Buchstaben
des Namens des damaligen Weltmeisters Karpow enthält
- und noch einige dazu
- was ihm zu folgendem
auf magische Weise verhelfen sollte: Alles zu können
im Schach, was Karpow konnte
und noch etwas
darüber hinaus
" (7/99, 65).
z.B. Gedichte:
Man muss nicht viele Worte verlieren, die folgenden
Zeilen sagen alles (1/00, 85):
Das Jahr 2000 so solls sein
Wird das Jahr des Schachs, ja das ist fein.
Schach können ist fast weltweit Pflicht
(In Sydney und in Hongkong nicht).
Mach matt den Gegner jederzeit,
Steh niemals schlecht, das ist gescheit.
Kauf Schachbücher, so viel es geht,
Weil dort was wirklich Kluges steht.
Nun, dass dies für diverse Schachzeitschriften
nicht zutrifft, ist hiermit wohl schlagend bewiesen
worden.
Wen das nicht überzeugt, der nehme
dies hier:
Bei Spielbeginn ich oft bedauer
- wenn ich es sehe, werd ich sauer -,
dass der Turm in der Ecke steht,
als wenn das Spiel ihn wenig angeht.
Macht er sich um die Statik Sorgen?
Gibt es Gründe, die für mich verborgen?
Usw. usw.
Es gibt, ganz klar, eine ganze Reihe
von Dingen, die Schöpfer und Verbreiter solcher
Reime verborgen bleiben! Immerhin konnte es einer der
Hobbypoeten – einer der schlimmsten – nicht
unterlassen, sein Werk durch einen Copyright-Verweis
vor unerlaubter Vervielfältigung zu schützen,
weshalb es auch hier keinen Eingang findet (aber es
wird ausdrücklich auf darauf verwiesen: 5/98, 79).
Mitunter setzen sich aufmerksame und empfindsame Leser
mit gutem Grund und Argument gegen diese "Elaborate"
zur Wehr und "bewundern" sehr zu Recht, "wie
es diesen Autoren gelingt, jedes beliebige Metrum in
jeder beliebigen Strophe ihrer beliebigen Gedichte konsequent
zu brechen, um dann den Rettungsanker zielsicher auf
einem Reim abzuwerfen" (1/00, 64) usw. Aber wie
alle Kritik, so prallt auch diese vollkommen ereignislos
an den Redaktionsgöttern ab.
Eines der besseren Reimwerke, ein seltenes,
ein einmaliges Ereignis, in dem nicht nur gereimt, sondern
auch gedacht wird, stammt von Uwe Beuer (man achte vor
allem auf die wirklich gelungene letzte Strophe):
Unendlich Bücher über Schach
Bei mir zu Hause im Regal
Die Magazine bis zum Dach
In Wohnraum, Bad und Schlafgemach
Sind maßlos in der Überzahl.
Ich sammle alles über Schach
Und wollt sogar mal alles lesen.
Doch kam ich schnellstens nicht mehr nach –
Bei mir zu Hause liegt alles brach;
Die Ehe ist schon längst gewesen.
Ich spiel seit Jahren nicht mehr Schach,
ich muss doch meine Sammlung leiten.
Nur nachts, da lieg ich lange wach
Und weiß nicht recht und atme flach –
Und sehne mich nach alten Zeiten.
(5/00, 60)
z.B. Walter Haas:
Gero von Wilpert: Sachwörterbuch
der Literatur, Stichwort Aphorismus: "kurzer, schlagkräftig
und äußerst prägnant formulierter einzelner
Prosasatz zur Einkleidung eines eigenartigen persönlichen
Gedankens, Werturteils, einer Augenblickserkenntnis
oder Lebensweisheit, durch geistreichen Inhalt und individuellen
Stil unterschieden
"
"Man liebt seine Erkenntnis nicht
genug mehr, sobald man sie mitteilt."
Das ist ein Aphorismus, ein guter dazu
(von Nietzsche), und auch dies hier ist einer (von Rochefoucauld):
"Die wahre Beredsamkeit besteht
darin, alles Nötige und nichts Unnötiges zu
sagen".
Aber dies hier ist nun mal keiner:
"Unser heutiges Schachdenken muss
nach vorne gehen, in die Zukunft, dorthin, wo sich Änderungen
ergeben werden oder auch müssen, in welcher Richtung
auch immer" (7/00, 63),
und das hier auch nicht:
"Eine schwierige Position auf dem
Schachbrett ist ohne Verlust des seelischen Gleichgewichts
in Ruhe weiterzuspielen. Zuweilen hat auch der Gegner
eine Idee – wenn man es am wenigsten erwartet –
doch es ist nicht immer die richtige. Manchmal kommt
einem der Zufall zu Hilfe" (5/98, 9)
und dies hier ist erst recht keiner,
auch wenn dessen Verfasser und das veröffentlichende
Organ ihn dafür halten:
"Ein Schachphilosoph besitzt die
Fähigkeit zu verlieren, ohne gekränkt zu sein,
und zu gewinnen, ohne zu kränken. Negative Gedanken
und Triumphgefühle sind bei ihm verpönt. So
bleibt das seelische Gleichgewicht erhalten".
Stattdessen sind dies schlecht formulierte
und peinlich banale Plattitüden, die erst dadurch
Brisanz erlangen, wenn sie publiziert werden. Liegt
beim Verfasser aber kein Selbstschutzreflex vor, wer
soll ihn dann retten vor der Blamage? Man reagiert darauf
wie auf plötzliche Zahnschmerzen, wie beim Sensodyne-Blitz:
Autsch!
"Wenn zwei Elefanten miteinander
kämpfen, dann ist es das Gras, das darunter leidet.
Wenn zwei Blitzspieler miteinander kämpfen, dann
ist es die Schachuhr, die darunter leidet" (7/00, 62).
Dass empfindsame Lesernaturen unter der
elefantengleichen Wucht derartiger "Aphorismen"
leiden könnten, scheint in Sömmerda noch niemandem
in den Sinn gekommen zu sein. Sie alle und viele mehr
entstammen der Feder von Walter Haas (der im Sommer
2000 verstarb, aber das macht ihn nicht, wie C. Köhler
mir gegenüber einforderte, immun gegen sachliche
Kritik). Mit hundert weiteren beglückte er die
"Rochade"-Leser in einer 6-teiligen, jeweils
ganzseitigen Folge "Ratschläge für Schachwettkämpfe"
(4/99 – 7/00). Schon die erste Folge begann mit
einem Paukenschlag, wo er nützliche Überlebensratschläge
gab, wie man das unvorstellbare Drama einer verlorenen
Partie verwinden könne: "Dazu sollte man mit
einer Vertrauensperson die Partie nachspielen und über
den unglücklichen Verlauf sprechen. Wenn man sich
so seinen Kummer von der Seele spricht, ist man gezwungen,
klar zu formulieren. So bringt man etwas Ordnung in
das Chaos der Gefühle.
Man wird wieder aktiv,
fasst neuen Mut, man gerät nicht in die Isolation
– es geht weiter".
z.B. Dagobert Kohlmeyer:
"Rochade"-Urgestein, journalistisches
Rückgrat des Blatts
derart oder ähnlich
könnte man Dagobert Kohlmeyer umschreiben, dessen
Englisch- und Russischkenntnisse ihm gestatten, sich
überall dort herumzutreiben, wo Schach auf hohem
Niveau gespielt wird. Viel mehr gäbe es nicht zu
sagen, denn Kohlmeyers Artikel und Interviews zeichnen
sich ansonsten nicht gerade durch Originalität,
Abwechslung oder stilistische Varianz aus, sie sind
immer nach dem selben Strickmuster verfasst und nutzen
nicht selten die gleichen Worthülsen; man liest
sie und vergisst sie und liest sie im darauffolgenden
Monat erneut
, man hat sich informiert, basta.
Wenn da nicht hin und wieder diese verbalen Fehlgriffe
wären, vor denen sich der Mann, der sich stets
als "der Reporter" oder "der Rochade-Reporter"
einführt, selbst nicht schützen kann und auch
sein Team scheint wenig Interesse daran zu nehmen. Wie
anders ist es zu erklären, dass er sich immer mal
wieder ins Fettnäpfchen setzt? Oft verrät
sich hinter einem Lapsus eine gewisse Eigenliebe. Wir
erfahren immer wieder, wie häufig D.K. diesen oder
jenen Ort bereiste, welche mehr oder weniger prominente
Person ihn kennt, zu sich ruft, zum Essen einlädt
usw. – Kohlmeyer ist jemand, der seinen Bedeutungsstatus
daraus ableitet, wichtige Leute wenigstens zu kennen!
Als er zum Jahrtausendwechsel die 90er Jahre Revue passieren
lässt, da kann er es nicht unterlassen, zu den
historischen Höhepunkten das Erscheinen seiner
Bücher über diese Höhepunkte dazuzuzählen:
1992, wird uns eingetrimmt, zeichnet sich z.B. durch
folgendes Großereignis aus: "Der Autor ist
als einziger deutscher Journalist an beiden Schauplätzen
in Sveti Stefan und Belgrad. Er verfasst ein Buch unter
dem Titel Bobby Fischer – ein Schachgenie
kehrt zurück" (12/99, 13ff.) und empfiehlt
uns dieses in aller Bescheidenheit, neben anderen Eigengewächsen,
als Weihnachtstipp. Jemand schreibt ein Buch über
Aljechin und heißt zufällig Dagobert –
"Sachen gibts die gibts gar nicht"
(2/99, 6) -, das ist freilich eine Meldung wert! Am
erschreckendsten allerdings fand ich den skandalösen
Nachruf Kohlmeyers auf Alexej Suetin, dem die "Rochade"
– als sicherem Qualitätsträger –
und das deutsche Schach, nicht zuletzt das ostdeutsche
Schach, so viel zu danken hat. Der Nachruf war der "Rochade"
noch nicht einmal eine ganze Seite wert und Kohlmeyer
missbraucht den traurigen Anlass, wovon zu erzählen?:
von sich! Die Würdigung des verdienstvollen Toten
nutzt er zur Selbstpreisung! (Hervorhebung J.S.) "In
meiner Jugend waren Schachbücher von Alexej
Suetin erste wichtige Wegbegleiter. Sie erschlossen
mir eine neue Welt. Nie hätte ich es mir
damals träumen lassen, einmal Manuskripte des renommierten
Autors ins Deutsche zu übersetzen. Suetins Werk
"Erfolgreich eröffnen", das 1987 im Sportverlag
erschien, war überhaupt das erste Schachbuch, das
ich vom Russischen ins Deutsche übertrug.
Später wurden wir Freunde
" (10/01, 6).
Dieser Egozentrismus verrät sich
oft nur im kleinen Detail, etwa wenn Kohlmeyer im Oktober
2001 über die Twin Tower schreibt: "Der RE-Reporter
war dabei. Sein Foto von 1995 dokumentiert das
damalige Aussehen des bekanntesten Gebäudes von
Manhattan" (10/01, 1) oder stolz erklärt,
dass der frühere Dreisprungweltmeister Mike Powell
"sich noch gut an die Partie vor einem Jahrzehnt
erinnern konnte", die er 1991 mit "dem RE-Reporter"
(10/01, 28) führte.
Unangenehm sind auch verbale Ausrutscher.
So unterschreibt er ein Foto, auf dem Karpow mit einem
farbigen Jugendlichen abgebildet ist, prosaisch mit
"Afrikaner, Karpow" (auch hierzu gab es Leserproteste,
eine Erklärung oder Entschuldigung folgte freilich
nie; 7/01, 100) und WGM Kachiani-Gersinska bescheinigte
er gönnerisch: "Ich habe selten eine Frau
Schach so gut erklären hören" (4/02,
84). Was ihn schließlich geritten hat, den Artikel
"Schachgöttin Caissa mit Haut und Hirn"
zu verfassen und zu bebildern, auf dem eine komplett
nackte "Dame", mit Gardinenstoff dürftig
verhüllt, zu sehen ist, das weiß der Teufel.
z.B. Peter Krystufek:
Wenn man vom Teufel spricht
Krystufek
ist das rote Tuch schlechthin für – wenn die
erboste Leserpost nicht trügt – Hunderte,
wenn nicht Tausende von "Rochade"-Lesern,
er ist als ewig wiederkehrendes Ärgernis das feste
Symbol für die Mediokrität der Zeitschrift.
Dabei erstreckt sich seine Unfähigkeit auf nahezu
alle Bereiche, die er unbekümmert anpackt (aber
das ist schon Indiz für Beschränktheit, es
gehört zum Typus, nichts wirklich zu können
und sich doch alles zuzutrauen). Seine Fotos –
Krystufek begreift sich als Künstler – zeugen
von einer ästhetischen Empfindungslosigkeit sondergleichen,
seine Texte sind nicht nur vollkommen banal und informationsfrei,
sondern auch in erbärmlicher Sprache verfasst und
handeln ohnehin nur von ihm selbst und was ihm in seiner
bescheidenen Welt bedeutsam erscheint und selbst seine
Schachrätsel wurden hart kritisiert und ihm Plagiate
und geistiger Raub vorgeworfen (z.B. 8/98, 89). Die
Zahl der Beschwerdebriefe ist Legion, sie sind in allen
möglichen Tonlagen vorgetragen und trotzdem hält
es die Redaktion nicht für nötig, Krystufeks
Dummheiten zu stoppen, mehr noch, scheint man sich an
diesem Widerspruch, der natürlich einer gewissen
komischen Komponente nicht entbehrt, zynisch zu delektieren.
Die einzige sarkastische Relativierung mutet sich das
Redaktionsteam zu, wenn es die ellenlangen Elaborate
mit sinnigen Aphorismen flankiert, wie: "Ein Merkmal
geistiger Mittelmäßigkeit ist die Sucht,
immer etwas zu erzählen" von Bruyere (5/03,
28). Aber der große französische Moralist
spricht hier nur die halbe Wahrheit aus: Ein weiteres
Merkmal geistiger Mittelmäßigkeit ist es
nämlich, der Schwätzsucht ein Forum zu bieten!
Dies alles wäre nur ein marginales Problem, wenn
nicht der Leser dafür bezahlen würde! Hierin
ist der eigentliche Grund zu sehen, wenn schon rochadeinterne
Reflektionsprozesse nicht stattzufinden scheinen, weshalb
sich die Leserschaft mit vollkommenem Recht immer wieder
empört. Der Leser hat nun mal das Recht für
sein Geld, sei es auch noch so wenig, qualitative Ansprüche
zu stellen, und die "Rochade" die Pflicht,
diesen Aufforderungen nachzukommen, wenn es schon keine
natürliche Abwehrreaktion gegen derartige Produkte
gibt. Denn in erster Linie ist der Leser für das
Blatt als Käufer interessant und von daher muss
es an einer Grundzufriedenheit interessiert sein. Wieso
aber funktionieren diese Reflexe bei der "Rochade"
nicht? Sicher, es gibt eine ganze Reihe von Rochadeverweigerern,
aus eben diesen Gründen, aber offensichtlich scheint
der Verkauf "zu stimmen", vermutlich ist das
Preisargument auch hier ausschlaggebend. Davon abgesehen,
ist es aber ein Affront gegenüber allen seriösen
Mitarbeitern der Zeitschrift, denn wenn Vogt oder Suetin
oder Barlov oder Pachmann oder Uhlmann oder Metz u.a.
neben Lachnummern wie Krystufek stehen, in einer Reihe
als Autoren genannt werden, dann färbt die Niveaulosigkeit
auch auf diese ab! Selbiges gilt natürlich ebenfalls
für Anzeigenkunden, deren Produkt indirekt vom
Zeitschriftenniveau diskreditiert wird. Denn man veröffentlicht
in "einem Wurstblatt"! Es wäre daher
sinnvoll, zum wiederholten Male, gerade von solchen
Autoren und kommerziellen Inserenten endlich ein Wort
des Protestes zu hören!
Wollte man nun alle journalistischen
Untaten Krystufeks besprechen und analysieren, ein solcher
Artikel würde nicht genügend Raum bieten.
Man hat sich also aufzählend auf wenige Tiefpunkte
zu beschränken und im Übrigen ist das meiste
von entrüsteten Lesern bereits gesagt.
Wen,
bitte sehr, interessieren Krystufeks Reisen nach Teneriffa
(zu Alfred Pörzgen: eine besonders heikle Mischung;
8/98, 25f.) und das auch noch wiederholtermaßen
und in mehreren Folgen (11/99, 116f. und 1/00, 101)
oder nach Bad Tölz? Wen interessieren Peter Krystufeks
Geburtstagsfeiern (8/99, 84f.), "Berichte",
besser Selbstbelobigungen, die zudem wesentlich ausführlicher
sind als z.B. Nachrufe [5] auf Suetin, Mednis, Gufeld, Pachmann,
sämtlich Mitarbeiter von schachlichem Weltrang,
oder Berichte über runde Geburtstage von Schachgrößen.
Wer liest den literarischen Schrott mit ehrlichem Genuss,
den der Dichter (4/02, 64) oder Historiker (5/02, 81)
Krystufek verzapft? Wen erfreuen Krystufeks dilettantische
bildnerische Kunstwerke, meist sinnloses kindisches
Gekritzel mit schwarz-weißen Karos unterlegt?
Wer findet seine erotischen Fotos erotisch
oder auch nur ansehenswert? Darunter versteht Krystufek
ein mehr oder weniger attraktives Model in lächerlicher
Pose und kariertem Look(1/98, 78), die er im Übrigen
auch auf CD-ROM veräußert (5/02, 15). Wer
will wissen und gehört es zur Informationspflicht
einer Zeitschrift, uns darüber aufzuklären,
dass das "Schach-Topmodel Regina", das so
top nicht aussieht [6], ein Autogramm von Erich Däniken
erhält (6/02, 77) oder seltener Essen geht (6/02,
96)? Und was hat das alles mit Schach zu tun? Doch Krystufeks
Selbstbespiegelungen kennen keine Grenzen; selbst einen
"Grappa di Scacchi da Scacchi-Topmodel Regina"
lässt er ausschenken (11/01, 65). Fast könnte
man gespannt sein, was dieses malade Hirn noch so ersinnt,
um die schachmediale Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.
Genug! Wird es reichen, den Verantwortlichen
klar zu machen, dass es sich um eine Missachtung von
Leser und Autoren handelt, wenn man weiterhin drittrangigen
Figuren und Egomanen Raum gibt? Werden sie zudem verstehen,
dass Schmierfinken wie Krystufek jegliche Achtung massenweise
entzogen wird, dass sie sich öffentlich lächerlich
und unglaubhaft machen, dass man bereits mit Fingern
auf ihn und "Topmodel Regina" zeigt? Werden
sie verstehen, dass sie ihr Blatt vollends diskreditieren,
es zum Wurstblatt verkommen lassen, zur Eulenspiegelei,
zur miserabel gemachten Satirezeitschrift und dass man
jetzt schon über die "Rochade" lacht?
Realisieren die Herren in Sömmerda, dass Leserschaft
verprellt wird?
Dabei handelt es sich nur um sechs von
zig möglichen Beispielen ganz unterschiedlicher
Natur. Man hätte ebenso über eine unselige
Leserbriefkultur schreiben können und darüber,
wie diese präsentiert wird, oder über die
"Okkasionellen Rundbriefe" (die man simplizistisch
auch hätte "Gelegentliche Rundbriefe"
nennen können), die Kolumne mit dem einprägsamen
Namen "Buddhibalâçrita", die
nun exakt vom andern Ende her den Rahmen dieses Organs
sprengt, indem hochwissenschaftliche, extrem spezialisierte
Randthemen, meist der Schachgeschichtsforschung, in
bewusst akademischem Kauderwelsch vorgetragen werden,
im äußersten Fall sogar lange und unübersetzte
Zitate aus dem Schwedischen oder Chinesischen (!) enthaltend,
als gehörten diese Sprachen zur Allgemeinbildung.
Man hätte über einige [7]
von Gerhard Schendels Artikeln sprechen können,
oft ellenlang, tausendfach verästelt, die aber
nicht immer einen Schachbezug aufweisen können
und zudem hin und wieder diverse Verschwörungstheorien
insinuieren oder über Helmut Wietecks historische
Forschungen, denen offenbar gelegentlich die Akkuratesse
fehlt (4/02, 92). Man hätte über die Beiträge
Alfred Pörzgens schreiben können, den manche
(zusammen mit Krystufek) für einen "Büttenredner
und Schwätzer" (8/99, 73 und 2/00, 71) halten
und der uns entweder mit Getratsch oder Skandalgeschichten
(von kotzenden Großmeistern u.ä; 10/01, 94.)
unterhält. Man hätte auch über eine langweilige
Interview-"Kultur" sprechen können, die
stets die gleichen und belanglosen Fragen zu kennen
scheint. Es wären Worte über die Rubrik "Büchertipp"
zu verlieren, von Buchbesprechungen, die immer zum selben
Resultat gelangen, in denen – von bestimmten Rezensenten
– in immer wiederkehrenden monotonen Formulierungen,
so gut wie nie ein kritisches Wort über das zu
besprechende Werk zu finden ist und die demzufolge vollkommen
irrelevant werden, da sie dem potentiellen Leser keinerlei
Anhaltspunkte für oder gegen einen Kauf geben (Gerade
von Tipp also keine Spur). Ähnlich gelagert könnte
man sich über die "CD-Tipps" und die
Computerschachrubrik entäußern, in der Chessbase-Produkte
stets so enthusiastisch besprochen werden, dass einem
mitunter seltsame Gedanken kommen. (Vielleicht liegt
hier der wahre Grund, weshalb gewisse Werbekunden sich
die Niveaulosigkeit kritiklos gefallen lassen: man sonnt
sich in den Lobhudeleien der Produktbesprechungen? [8])
Die Frage des Designs und der Bildqualität wäre
diskutabel; schon vom äußeren Erscheinungsbild
her macht die "Rochade" keinen besonders attraktiven
Eindruck [9]. Man könnte
weiterhin fragen, ob es tatsächlich notwendig ist,
oft seitenlange Berichte vom letzten Turnier in Hintertupfingen
zu veröffentlichen, oder ob das nicht eher in eine
regionale Zeitschrift oder gar Klubzeitung gehört.
Man könnte nach dem Nutzen der Veröffentlichung
von verbandsinternen Streitereien und "offenen
Briefen" oder von verbalen Schlagabtäuschen
streitsüchtiger Leser fragen und vieles mehr.
Stattdessen eine letzte allgemeinere
Frage: Legen sie sich, die Verantwortlichen der Redaktion,
Rechnung darüber ab, welchen Eindruck Deutschlands
größtes und damit in gewissem Sinne repräsentativstes
Schachorgan in der Öffentlichkeit verbreitet, von
einer Szene, die seit ihren klassischen Zeiten enorm
viel Wert auf ihr Selbstbild legt, die glaubt, einer
Beschäftigung nachzugehen, die das innere Potential
besitzt, Menschen zu vervollkommnen und deren Eigenschaften
zu veredeln und dass diese Zeitschrift dem unbedarften
Leser ein genau gegenteiliges Bild vermittelt?
Es steht mehr auf dem Spiel als nur eine
partiell niveaulose Zeitung. Sie ist – ob man das
in Sömmerda wahrhaben will oder nicht - wesentlicher
Teil der Wahrnehmung des Schachs und seiner Anhänger
in der Öffentlichkeit. Diese Zeitschrift repräsentiert
uns! Wollen wir, die Schachspieler, unseren Sport bewerben,
Kinder und Jugendliche gewinnen, die Vorteile des Spiels
auf verschiedensten Gebieten glaubhaft machen, dann
brauchen wir auch eine große Zeitschrift, die
auf der Höhe dieser Anforderungen steht. Die "Rochade"
jedenfalls kommt in ihrem jetzigen Zustand dafür
nicht in Betracht!
--- Jörg Seidel, 04.06.2003 ---
[1]
Die Auflistung dieser Namen bedeutet keine Gleichstellung!
Sie bezieht sich zudem ausschließlich auf das
Erscheinen in der "Rochade", nicht auf weitere
(schachliche oder literarische oder sonstige) Aktivitäten
der Genannten, die in ihrem Wirkungsbereich tüchtige
Funktionäre und vollkommen integre Persönlichkeiten
sein können und in der Tat – soweit zu sehen
ist - wohl meist auch sind! Sie ist zudem nicht systematisch,
viel mehr – bis auf ein, zwei Ausnahmen –
willkürlich und könnte m.E. um viele weitere
Namen bereichert werden (womit die Prominenz relativiert
wäre).
[2] Ich habe die Partie
von Fritz5.32 (61s.) analysieren lassen und an Schlüsselstellen
noch die Stellungsbewertung von Fritz eingefügt
(grün); Kommentar Carstens ist rot.
[3] http://www.we-are-church.org/suedtirol/1-02/15.html
[4] Andrea Hafenstein bat
mich seinerzeit um Rat, wie sie sich diesem Brief gegenüber
verhalten solle.
[5] Was es heißt,
einen Nachruf von Niveau zu verfassen, hat Stefan Löffler
in seinem erstklassigen, informativen, kritischen und
unterhaltsamen – ja unterhaltsamen und sogar witzigen
– Artikel anlässlich des Ablebens von Ludek
Pachman gezeigt! Wo der veröffentlicht ist? In
"Chess"!! June 2003, S. 47ff.
[6] und es trotzdem bis
auf die Titelseite der "Rochade" schaffte
(Februar 1995)
[7] Die meisten seiner Artikel
sind durchaus informativ und lesenswert. Aber immer
wieder auch so was: Artikel über Seeungeheuer Nessie
wird legitimiert durch: "
.weswegen es wiederum
bisher noch nicht möglich war herauszufinden ob
das Monster Schach spielen kann. Schade! Es wäre
eine tolle Sache, wenn dereinst einmal ein Schachmatch
Nessie gegen den Rest der Welt arrangiert werden könnte".
Schendel googelt gern und wenn er was findet, was ihn
interessiert, dann wird der Bezug schnell hergestellt:
"In Nevada zum Beispiel, nur 90 Meilen nordwestlich
von Las Vegas, dem Austragungsort der letzten Schach-WM,
befindet sich ein Salzsee
." (7/00, 71), und
um den geht es Schendel nachfolgend, nicht ums Schach.
Das erinnert an den Biologiestudenten, der sich zum
Thema "Regenwurm" auf die drohende Prüfung
vorbereitet und just zum Elefanten befragt wird: "Ehm,
der Elefant hat einen Rüssel, der aussieht wie
ein Regenwurm. Der Regenwurm ist
".
[8] Dieser erfrischende
Gedanke stammt von Christian Scho. Siehe auch unser
Gästebuch: http://www.koenig-plauen.de/gbook/gbook.php
(Eintrag vom 5. Juni 2003)
[9] "Die "Rochade"
ist die "Bild"-Zeitung unter den Schachzeitungen,
sagen manche Leute. Richtig ist auf jeden Fall, dass
das Erscheinungsbild eine Katastrophe ist – Texte,
die man mit der Lupe lesen muss und Bilder, die einem
Fotografen die Tränen in die Augen treiben. Man
muss sich das nicht antun, aber unglücklicherweise
hat ja nur die "Rochade" den Regionalteil
mit Turnierausschreibungen und Ergebnisdienst... Die
Zeitschrift "mit Anspruch und Tradition",
nämlich "Schach", glänzt dagegen
mit ausführlichen Turnierberichten und Hintergrundgeschichten".
http://www.schachfreunde-hannover.de/literat.html
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Jörg Seidel und darf ohne seine schriftliche Zustimmung
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