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梭子鱼呕吐 und ein Haufen Gelächter

Die Deutsche Schachjugend hat ihrem höchstklassigstem Mannschaftsturnier auf den neckischen Namen „Deutsche Vereinsmeisterschaft“ getauft. Man wundert sich deshalb, ob es dort nicht so sehr um die antretenden Mannschaften geht, sondern um die dahinterstehenden Vereine. Wir hegten keine Ambitionen, unserer U20-Mannschaft eine Bürde dieser Art aufzulasten und gaben der Nomenklatur stattdessen die uns gewogene Interpretation, nach der alle Anreisenden ohne Rücksicht auf Spielberechtigung oder Schachverstand zu einem Haufen zu vereinen sind – zu einem Haufen, der selbst die interne Differenzierung aufgrund der Profilwahl in der Sekundarstufe 2 fürchtet. Oder wann sollte nochmal die Ernte des Lebens eingetrieben werden?

Die albernsten Shirts nach vorn und dann einen unangebrachten Spruch absetzen. Captain Sound segelt zum Pumpen nach L. A.

Es fällt nicht leicht, ein vernünftiges Bild des schachlichen Geschehens zu zeichnen, wenn man selbst nicht den Nervenkitzel verspürt, eine eigene Partie zu spielen. Mit dem Schwung der Leichtsinnigkeit pfeift man allen, denen man habhaft werden kann, die „ganz klare“ Gewinnvariante ins Ohr, nur um zwei Züge später zu bemerken, wie fahrlässig es ist, die Stellungseinschätzung nach Erspähen der einen offensichtlichen Idee abzubrechen. Lasst also ab von der Hoffnung, hier einen ausgewogenen Turnierbericht zu lesen. Es folgt eine Wiedergabe des Geschehens, wie es sich von einer Ausbuchtung des Haufens aus anfühlt.

Es war also am 2. Weihnachtstage, als gegen 10:30 Uhr das Dunkel der grausten aller Vorzeiten wich und das Licht dieser, unserer Geschichte zu strahlen begann. Noch jetzt frage ich mich, ob über die mir verschlossenen Kanäle eine Partisanenkommunikation stattfand. In jedem Fall waren wir für unseren Teil vollständig, als Daniel in Neumark samt Weihnachtsgeschenk zustieg und fortan floss auch alles wieder reichlich über die mir vertrauten Kanäle. Erik fuchste sich geschwinden Schrittes durch verwinkelte Bahnhöfe; unsere unwahrscheinliche Kraft im Stemmen verschiedenster Gegenstände wurde bundesweit bewundert, wenngleich wir nicht spekulieren wollen, welchen Eindruck unser sonstiges Auftreten hinterließ. Hauptsache hoch pokern: „Das ist der Niklas, ich bin der Toni.“ Alles andere wäre ja auch unglaubwürdig.

Der Turnierverlauf hielt für uns abseits von Barfüßigkeit und Klabusterpils wenig Aufregung bereit. Es mittelte sich ziemlich viel heraus. Zwei individuelle Partien werden die Zeiten überdauern. Anfangs gab ich mich noch Überlegungen hin, mit welcher Roadmap aus jedem Kampf möglichst viele Mannschaftspunkte zu extrahieren sein mögen. Das erwies sich bald als unnötig, weil eigentlich nur aus Perspektive der Moral  strategische Entscheidungen anfielen. Die Kräfteverhältnisse schienen hingegen immer klar oder ließen sich zumindest nie durch Remisieren beeinflussen.

Baden-Baden war für den Auftakt gleich ein bisschen viel. Aber vielleicht ein positives Ergebnis im Unterhaus und dann hoffen, dass vorn noch etwas zusammenkommt? … Noch vor der Zeitkontrolle gingen die hinteren vier Bretter (6er-Mannschaften!) verloren und meine Hoffnungen ruhten darauf, dass ein Silberschweif die Stimmung auf akzeptablem Niveau hält. So wie es lief, kam ich wenigstens in den seltenen Genuss, freie Sicht auf die Spitzenbretter zu haben.  Die waren vom Gang so weit entfernt, dass ich üblicherweise Probleme hatte, die Materialverhältnisse abzuschätzen. Über das gesamte Turnier erfuhr ich von Daniels Punktaussichten deshalb oft nur gerüchteweise.

Im ersten Kampf hatte sein titelhungriger Gegner (2408) sehr früh eine Figur geben müssen, um genügend Unklarheiten auf dem Brett zu belassen, die ihm einen Sieg bescheren sollten. Daniel stellte sich dem Bauernmop gegenüber selbstbewusst auf und eine zeitlang schien es mir fernem Beobachter unklar, wie irgendeine Seite Fortschritte erzielen sollte. Als Daniels Gegner dennoch den Vorwärtsgang einlegte, kamen in mir Bedenken auf, irgendetwas Offensichtliches nicht verstanden zu haben. Das hielt an, bis Daniel eine Remisabwicklung ausließ und nun auch wir Kiebitze begriffen, dass er mit großen Schritten ritscheratsche dem Sieg entgegen eilte. Da zudem Erik seine Partie retten konnte, gingen wir zwar mit einer Niederlage, aber dennoch ganz guter Dinge aus der Auftaktrunde. Die FIDE sollte sich beeilen, endlich die Titel zu gewähren. Live-DWZ > 2000 – hallo?!

Die zweite Runde brachte uns mit Frankenthal die erste machbare Aufgabe und nach dem Aussetzen am Vormittag konnte man nun auch Lucas am Brett bestaunen – also theoretisch, denn ich sah ihn nicht spielen. Nach 9 Zügen war es vorbei mit dem ernsthaften Schach. Der Spieß von c5 über d4 nach g1 entschied die Sache zu unseren Gunsten. Oder war es etwa doch 32. … Dxc2? Als ich die Bretter zum ersten Mal in Augenschein nahm, konnte ich meinen Blick nicht von Tonis Brett lösen.

Stein, Daniel (1975) – Merkel, Toni (1783): Wo ist der d-Bauer geblieben?

Hatte sein Gegner seinen eigenen d-Bauern vom Brett gehustet? Wo soll der verloren gegangen sein? Die ernüchternde Auflösung gibt es hier.
Der Kampf war jedoch nicht entschieden. Das Gefeilsche um Remisgebote wurde mir mit dem trübseeligen „Na, mit einem Sieg wird das hier nichts mehr.“ vorgetragen. Zupass kam uns dann aber Huys Gegnerin, die ihm bei seinem einzigen Punktgewinn unterstützte. Daniel parierte vorn einen verkorksten Elfer und  machte damit unseren ersten Sieg sicher. Wie auch andere Mannschaften feststellen mussten, kann man erst aufatmen, nachdem man Frankthal hinter sich gelassen hat. Nur gut, dass Niklas seine Nase am Zwinger trainiert.

Die Dinge entwickelten sich nun prächtig – zumindest habe ich mir das sagen lassen, denn ich trat jetzt erstmal in den Hintergrund. Die Idee mit dem Bootcamp stellte sich schon am ersten Abend als recht unpraktikabel heraus. Glücksspiele wurden im linksrheinischen Düsseldorf sowieso nicht gern gesehen, insbesondere dann nicht, wenn man trotz Königs-Halbem aus der Runde fliegt. Stattdessen gab es den Switch zum Unglücksspiel „Die Herberge zur Sägemühle“. Mürrisch fauchte ich mich in den Morgen und als die Stimme versagte, ging ich zum Klopfen an der Bettkante über. Und doch ließ sich der Schichtbetrieb kaum länger als 2 Minuten aus dem Takt bringen.

Liegend freute mich auf die Runden: Sollen die Jungs nur spielen, ich arbeite währenddessen an meiner Konstitution. Das ging ganz gut und die Stimmung erhellte sich, bis die finster illernden Logistikgeister aus der vertrieben geglaubten Vorzeit ihren Weg nach Düsseldorf fanden. Nach dem unerwartet sauberen Sieg gegen Lippstadt wollte niemand gegen Coswig pausieren. „Ich mach’s schon, wenn die Mannschaft das will.“ Doch wer soll sich schon bemüßigt fühlen, dieses Wollen zu verbalisieren? Vom Schlaf gezeichnet nahm ich mein Zeichengerät zur Hand, zeichnete die Namen der safe Gesetzten ins Protokoll und verfolgte schlafdelierend dem Stand der Diskussion. OK, Huy spielt, Lucas nicht, Unterschrift. Und doch mogelte sich Lucas irgendwie auf den Meldungszettel, weil man halt doch das schreibt, an was man gerade denkt.

Was bin ich froh, dass dieser Aussetzer ohne Folgen blieb. Lucas gewann seine Partie ohne Probleme und Daniel ist zu wohl erzogen, als dass er mir Vorhaltungen machen würde. Ich wurde noch Zeuge des seltsam leichtfüßigen Sieges von Niklas, vernahm wohlwollend die Berichte vom ersten Brett und freute mich nach Zählung der Damen auf Eriks Brett. Huy hingegen hätte mit der Partie gegen seine Gegnerin noch einen Tag warten sollen. Toni stand schwierig, aber aufgrund der anderen Bretter machte ich mir wenig Sorgen als ich zum Verwandtenbesuch aufbrach. Der späte Anruf brachte die Ernüchterung: „Ach! Nur Unentschieden! Spreche ihn besser nicht drauf an.“ Tue ich auch jetzt nicht, obwohl die Partie mehr mit Schach zu tun hatte als vieles, was sonst so in meiner Sichtweite lag.

Auch in Hinblick auf den weiteren Turnierverlauf kann man dem Ergebnis gegen Coswig wenig Positives abgewinnen. Obwohl uns dieser eine Mannschaftspunkt geklaut wurde, mussten wir jetzt mit angeschlagener Moral gegen Hamburg ran. Bemerkenswert war eigentlich nur, dass Daniel hier sein einziges Turnierei abholte. Gegen Halle in der Vorschlussrunde war er dann wieder auf dem Posten, aber nach Einschlägen an Brett 4 und 5 war auch hier nichts mehr zu holen. Niklas erreichte eine sehr seltsame Stellung, in der ihm nicht nur Material fehlte, sondern auch noch die Möglichkeit, irgendetwas zu drohen. Und dennoch musste sein Gegner nun schon sehr tief in die Schlucht greifen, um neue Ideen zu generieren. Er fischte dabei aber allerdings erfolgreich.

Diese Doppelniederlage hätte bei vielen Mannschaften wohl die Spritzigkeit des letzten Abends gebrochen. Wir fanden jedoch bald Trost. Die einen beim Entsaften, die anderen bei der Guiness-Schorle. Es dauerte nicht lang und wir wurden wieder lauter als die Bayern. Der Schnauzer heiratete die gewichtige Zunge, das Komitee zur Erstellung des Regelbuches ging mit dem Gedanken schwanger, auch dem Kartenspielen ein strenges Zeitregiment aufzuerlegen. Der Süßwasserfisch laichte, seinen Kopf gehüllt im imposantesten Balzkleid. Der blasse Drache züngelte an den Fließen und erfuhr die Gewalt der Fliehkraft in der Backe. Wieder mal blieb es Daniel überlassen, allen zu zeigen, wie man es richtig macht, während die Ohrenzeugen sich wohlgefällig in den Schlaf grinsten. Nein, ein sächsisches Team wird von solchen Dämonen nicht heimgesucht, deren Austreibung wir so oft einstudiert haben, dass wir sie auch nachts um drei manisch performen können. Und doch war allein die Lösung der Lippstädter gefragt.

Wir schlossen mit einem hohen, aber belanglosen Sieg gegen Darmstadt, nahmen Tobi in Empfang und genossen Düfte des Döners – gleichzeitig vor und nachdem dieser seiner natürlichen Bestimmung zugeführt wurde. Wer es schafft, Schlüssel aus Briefkästen zu fingern, ist nicht länger mehr auf Türklinken angewiesen.

Beim Böhmen erreichte uns die Lebensberatung, diesmal aus scheinbar qualifizierter Quelle, gleichzeitig mit dem Smiley. Die Düsseldorfer Organisation der Konsumentenversorgung erwies sich danach als inkompatibel mit unserem unbeschwerten Ansatz. Auch die Feier in der Brücke war zu cool für uns.

Die Siegerehrung war da schon lange vorbei. Die 7:7 Mannschafts- und 20:22 Brettpunkte gehen insbesondere bei Berücksichtigung des Vorjahrs in Ordnung. Mir wollte immer scheinen, dass sich das Niveau mancher Spielanlage mit wenig Aufwand spürbar hätte verbessern lassen. Aber wie gesagt, war das Mannschaftsergebnis eigentlich immer zu deutlich, als dass es an einzelnen Partien gelegen hätte.

Der Zug erreichte den oberen Bahnhof am Neujahrstag 23:30 Uhr. Der Haufen durchlief seine Paradoxie rückwärts; der Lehrer trollte sich des nachts noch – sicher lachend – in den Remishafen; das Licht der Geschichte erlosch und das Tohuwabu nahm mit einem breiten Grinsen wieder Platz. So war es. So wird es sein.


Was macht ihr eigentlich vormittags?

Zum Beispiel: Sophokles lesen. Tags zuvor ereilte mich das seltene Geschick, trotz des Inkrements gleich zwei Mal durch ZÜ zu gewinnen. Doch schwante mir Böses, als es aus dem Philoktetes schalte:

Wer frei von Leid ist, mache sich darauf gefaßt,
und wer im Glück ist, muß gerade dann erst recht
sich hüten, ob nicht heimliches Verderben droht.

Tja, was die Alten schon wussten… Dann kam die Niederlage, dann kam Daniel, dann kam die Sonne.

EINS!

Der Olmützer Schachsommer war das Ausweichturnier für das an uns vorbeigezogene Spektakel in Pardubice. Das Teilnehmerfeld präsentierte sich breit gestreut, an der Spitze allerdings etwas dünn besetzt, weil die Titelträger in drei Rundenturniere ausgelagert wurden und dort unter sich waren. Dadurch standen wir alle unter dem Zwang, regelmäßig voll zu punkten. „Wir“, das sind:

Burkhard alias B. A. – standesgemäß mit Kettchen aber angenehm flexibler Etikette

Daniel – Boltzer aus Leidenschaft mit riskanten Schlüsselzügen

Erik – das Dreibein wird blank ganz ohne Zahnbürste

Ich – verhinderter Mongolenschreck mit latentem Hang zur Unsafeness

Nein, nicht die Galeere!

ZWEI!

Als Stadt imponiert Olomouc weit mehr als Pardubice. Versorgungsstellen boten sich uns zwischen Heaven and Hell (mensch, war es dort warm) in Hülle und Fülle  – weit mehr, als dass wir die Szenerie nach einer Woche bereits hätten überschauen können. Und doch gab es regelmäßig  Pivo to go – umgeht das politische Gambit.

Nach dem Essen klappte es auch endlich mal mit dem Musikwunsch. Und siehe da: Es gibt nicht viele Songs, die man 2x nacheinander bringen kann. I am control, no way you can change me. Es sei denn mit Sliwowitz – hoher Pass auf den Radfahrer, Kontrollverlust. Alles kein Grund, gegen die eigene Natur zu handeln.

DREI!

Die Straßen wurden nicht von Schachspielern, sondern von der jungen Kirchenfestbesucherinnen dominiert – ungewöhnlich und alles andere als safe. Der grobe Geschmack wurde hingegen beim gemischten Beach-Rugby bedient, das wir uns vom feinsten Lokal am Platz aus ansahen.

Unkreative Freizeitbeschäftigungen bleiben gewohntermaßen ungenutzt. Wir inspizierten lieber die Olmützer Unterwasserwelt und ließen uns von Burkhard auf verwunschene Wege führen, die nur dem all-seeing eye bekannt sind.

Der Erstwähler und die Haselnuss

Ansonsten typische Semesterferien: Tauschbörse für Bildungs- und Erinnerungslücken.

VIER!

Schach gespielt wurde auch. Burkhard zeigte sich sehr agil im Handling des f-Bauerns, litt aber das ganze Turnier unter dem Fluch der hohen Einstiegselo. Der Rest konnte hingegen anständig punkten, wobei Überraschungen nach unten und oben ausblieben. Ein dämliches Turmendspiel hier, ein glückliches Händchen in der Eröffnung da; ein vereinsinternes Duell – naja, wenigstens in der ersten Reihe. Die aktiven Plauener beklagten zwischenzeitlich  alle eine ärgerliche Niederlage und jeder durfte seine Art des Umgangs damit zum Besten geben. Hach! Wäre ich doch nur mal mitgegangen und hätte den Ball gesucht!

Daniel hätte in der Schlussrunde groß ausholen können, wäre man ihm nicht rücklings in den Wurfarm gefallen. So blieb nur das unverdiente Preisgeld für mich, das aber hoch genug veranschlagt war, um unsere Heimreise zu verzögern.

Hörr, Matthias (2196) – Schmid, Thomas (2127). Stellung vor 24. … a5

Hier entschied sich mein Gegner für das sorglose 24. … a5, wonach die Königsangriffe auf beiden Flügeln eine seltene Symmetrie aufwiesen. Taktiken für Angriff und Verteidigung musste ich deshalb nur einmal berechnen. Allerdings hat Weiß nicht nur die Läufer, sondern ist mit seinem Spiel auch noch einen Halbzug weiter. Es folgte:

25. h5 a4 26. g6 fxg6 27. hxg6 Sxg6 28. Txh7 Kxh7 29. Th1+ und Schwarz verhinderte das Pauken-und-Trompeten-Matt mittels Aufgabe.

  • 4. Matthias Hörr 6,5/9 (2231, +11)
  • 11. Daniel Zähringer 5,5/9 (2139, +31)
  • 23. Erik Fischer  5/9 (1991, +16)
  • 78. Burkhard Atze 4/9 (xxxx, -yyy)

(98 Teilnehmer)

Der Dank geht dieses Mal nicht an die Zuhausegebliebenen, sondern an die, die für Action sorgen. Danke fürs Dabeisein, danke fürs Fahren, danke fürs Mitnehmen.

Bleiben nur noch 3 Fragen: Was klapperte im Non-Stop-Laden? Was wurde aus der Schatuelle? Und wer zählt hier eigentlich?


Interdisziplinäres Rollkommando

Leute: Vom Saisonabschluss der Zweiten gegen Fortuna Leipzig gebe es so einiges zu berichten: S-Bahn (klaro), Penny (muss wohl), Beyerhaus (Anekdoten), Pleissenburg (mjamjam), Skala (Frischeduft), Löwentanke (schon wieder eine erfolglose Suche in Leipzig), Luise (Augenkontakt, Weißer Russe und Wachsattacke) und FloPo (spart das Zähneputzen) – naja, Campusfeste sollen auch ganz schön sein.

Der Reiz der Unterkunft lag im Gesparten und in den Kuriositäten. Wurden schon jemals Zimmernachbarn damit geärgert, dass man ihnen im Schlaf das Licht nicht an-, sondern ausschaltete? Aber klar, solche Abende dürfen nicht  unkreativ zu Ende gehen.

Der Wettkampftag begann für die Hälfte der Mannschaft beim guten Zureden gegenüber dem Taxifahrer und infolge dessen mit einem 20-minütigen Bedenkzeitmalus. Da hatte sich die frühe Anreise mal richtig gelohnt. We are the first and we just still might be the last. Diese Schmerzen im Nacken. Herje! Nach dem Gemaule wurde es an den Brettern dann aber ganz schnell ganz ruhig. Das änderte sich erst wieder mit dem obligatorischen Erinnerungsaustausch, der genau zur richtigen Zeit einsetzte. Denn als die  Remisgebote eintrudelten, waren wir bereits erneut bester Laune – und die kostet man am Brett aus, auch wenn’s weh tut.  Wer hätte gedacht, dass wir in beiden Disziplinen gleichzeitig derart reüssieren können?

Die coolen Ergebnisse: 1 – 0; 1 – 0; 1 – 0; 1 – 0; ½ – ½. Einer versaut’s halt immer. Dazu gab es noch Remisen von Olaf und Mathias, die des ehrgeizigen Christofs wegen aber dennoch bis zum Schluss warten mussten. Das summierte sich dann zu einem gemütlichen 5½ – 2½ gegen den Tabellennachbarn. Kuriose Einzel- und Mannschaftsergebnisse gab es auch bei der Konkurrenz: VfB II gewann gegen Wilkau II mit 4 – 3; Turm – USG II …  Und was in keiner Tabelle auftaucht: 33 + 19 = Bock auf mehr.

Bei uns fühlte sich das alles an, wie das Ende einer erfolgreichen Saison. Triumphiert haben wir aber leider nur in der B-Note.  Mit diesem Schlussrundensieg landen wir traditionsgemäß  auf Rang 2. Ausschlaggebend war das Dölitzer Debakel in Runde 7, wonach im Aufstiegssinne nichts mehr ging. Auch haben die beiden Spitzenbretter dieses Jahr nicht so ordentlich gepunktet wie zuvor. Die langjährige Erfahrung lehrt, dass uns eine gewisse Lässigkeit in Spitzenspielen sehr gut tut. Es hatte schon seinen Grund, warum wir gegen Turm Leipzig in der letzten Spielzeit mühelos gewannen, dieses Mal aber anstandslos verloren. Es werden weitere empirische Studien folgen. Leider steht der Versuchsleiter bis dahin vor schwierigen Entscheidungen.

 


Nachlese VfB-Open

Die Leipziger Zementmischer können wieder aufatmen: Mit der Buchmesse haben die Schachrabauken die Stadt verlassen. Die komplette letzte Woche marodierte ich dort zusammen mit dem mitteilsamen Erik (flatrate!) und den gefürchteten Daniels (auch abseitiges Equipment findet Verwendung). Anlass sollte das VfB-Open in der Red-Bull-Arena gewesen sein oder ging es etwa doch um anderes?

Jaja, auch hierfür war Zeit. Aber verdammte Axt, wo ist dieser scheiß Festplatz?

Anfangs noch bei Leipziger Schachfreunden einquartiert folgte ich am zweiten Turniertag den Geistern, die mich riefen. Ihr reger Reigen entführte mich an das gestrandete Fluggerät, nahe dem von nun an auch meine Fahne im Casa del Daniel wehte. Bei dieser Pressdeckung konnte es freilich nicht ausbleiben, dass sich alsbald Socken und Buxen an den unmöglichsten Orten sammelten. Und siehe da: Die beste Hose ist immer noch die Leihhose. Man wohnt robust.

Schachlich hatte es zum Zeitpunkt meines Umzug bereits kräftig gewirbelt. Erik erschrak  in Runde 1 am Spitzenbrett nicht vor der windigen Eröffnungsbehandlung von GM Alexander Graf. Neben der Turnierleitung richtete auch er unangenehme Fragen an den Großmeister. Nach 20 Zügen verzeichneten beide Uhren nur mehr noch knapp über 15 Minuten. Erik bot Remis, als allein eine digitale Ausrede die großmeisterliche Position hätte am Leben halten können. Graf willigte ein und auch Daniel Helmrich konnte als Underdog einen halben Zähler einheimsen.

Erik Fischer (1869) – GM Alexander Graf (2583): Eine Auftaktniederlage wäre doch zu blöd. Veröffentlichung des Fotos mit freundlicher Genehmigung der freundlichsten Turnierleitung.

Mir flog in der Auftaktrunde zum zweiten Mal in drei Tagen die Eröffnung um die Ohren, weshalb ich über ein Remis nicht hinaus kam. Im weiteren Turnierverlauf fehlte mir andauernd dieser halbe Punkt, um gegen die Großen gelost zu werden. Stattdessen zog das anfängliche Gepatze jeweils ein Freundschaftsspiel in Runde 4 und 8 nach sich. Nicht schlecht staunten die Kiebitze allerdings bereits in Runde 2, als ich mit Schwarz meinen 800-punktigen Wertzahl-Vorsprung in Folgendes ummünzte:

Bromert, Tobias (DWZ 1357) – Hörr, Matthias (DWZ 2145): Hier hielten die Kiebitze 29. … Tc7 für erzwungen, was aber an 30. Dg6 Df3 31. Dd6 scheitert. Ich setzte alles auf die flotte Vorwärtsverteidigung 29. … Lf6, wonach mein Gegner tatsächlich den Faden verlor: 30. Lb4 Lc6 31. Se4 Db3 (auch Schwarz kann drohen) 32. Dh6 Lg7 33. Df4 Te8 34. Sd6 Lf3 mit späterem 0:1

Die Außenstehenden ahnten wohl nur dunkel, welchem Stimmungseinbruch sie hier verdammt knapp entkamen. Einem Leipziger Schachfreund, dem in der gleichen Situation das Glück nicht so hold war wie mir, schmiss daraufhin übrigens das Turnier.

Zu solchen Maßnahmen drängte es uns danach nicht mehr. Die Jungs remiserten, mal sicherer, mal weniger, mal aus Verzweiflung, mal aus Großmütigkeit. „Ich biete immer Remis, sobald ich einen aktiven Zug machen kann.“ Einige Siege fielen auch ab – was der Leber missfiel. Insbesondere Daniel ZZ hatte deutlich stärkere Gegner. Dumm lief es in der achten Runde, als wir beide gegen einander gepaart wurden, während Daniel und Erik unseren Niederlagenzähler mit einem Schlag verdoppelten. Hach, ausgerechnet gegen den, ausgerechnet so!

Aber gut; anders als ich zeigten die Jungs selbst in diesem Setting menschliche Größe und so verlief unser letzter Abend angenehmer als der tags zuvor. Denn wer freut sich nicht, wenn Karriereempfehlungen dem Wrack einer Fregatte entweichen? Dabei trafen sich in der Pleißenburg ja doch nur Land- und Leseratten. Naja, und Leichtmatrosen.

Die letzte Runde fand dann unter denkwürdigen akustischen Verhältnissen statt. Aber wir nahmen das hin, schließlich gab es PUNKTE, PUNKTE, PUNKTE – wenn auch nicht auf dem Schachbrett. Ob andere Sportler ahnen, wie lang wir brauchen, bis wir mal zur Siegerehrung kommen?

  • 10. Matthias Hörr 6,5/9 (2155, -9)
  • 18. Daniel Zähringer 5,5/9 (2149, +48)
  • 30. Erik Fischer  5/9 (2030, +39)
  • 58. Daniel Helmrich 4/9 (1884, +26)

(100 Teilnehmer. Man beachte, dass Daniel mit einem Punkt weniger als ich die gleiche Performance erzielte…)

Einsteller, Nervengifte und schlechte Witze leiteten wir hierhin um.  Manches davon wurde aber abgewiesen.

Wir schließen mit Sprüchen und Lehren aus dem Buch der Weisen.

  • Bin ich nicht hier, bin ich aufm Parkdeck – man wird doch hier oben irgendwie raus kommen.
  • Barkeeper reagieren auf Dreistigkeit wie Türsteher aufs Einmaleins.
  • „Seht ihr schon irgendwelche Kirchen?“
  • Was ruft er auch noch so spät an, dieser Spast?!
  • „Dein Schnarchen klingt wie’s Furzen.“ – Symptome der seltenen Grippe kneipicus
  • Über den gepflegten Umgang mit Eltern: „Na kommt ihr jetzt noch?“
  • Diese Geschichte mit den Reiskörnern auf den Schachfeldern funktioniert übrigens auch mit Katzenstreu – Gruß an die Mädelz!
  • Rucksäcke sind im FloPo zu lagern, nicht an der Uni.
  • „Wie, Du hast noch Teller?“

Ach, und natürlich das Wichtigste: Auch Daniel ist noch immer ganz der alte.


Beginn der Leipziger Chaos-Tage

Es ging bereits straff auf 2:00 Uhr (Hat denn die Geisterstunde schon auf Sommerzeit umgestellt?), als ich mich nach einer denkwürdigen, allerdings gar nicht mal so kuriosen Recherche auf einem seriellen Sesselduo in den Schlaf dachte (nichts Tiefschürendes), damit Erfolg hatte, dann aber dennoch in eine andere Parallelwelt zurückgeholt wurde: Ringdididing, Ringdididing.

Ich: Hmm?

Phantom des Pfandes: Matthias, was hast Du heute Abend noch gemacht?

Ich: Hmmm.

PP: Ne, sag mal!

Ich: … Erzähle ich morgen.

PP: Uns hatte es dann bei den Rüben gegruselt. Ich geb Dich mal weiter. OK?

Ich: Hö?I

Mobiles Monster: Matthias, was hast Du heute Abend noch gemacht?

Ich: Hmmm!

MM: Na, wir waren noch irgendwo. Da gabs Versenkten Matrosen…

Ich: Was ist denn das für eine Missetat?

MM: Das war ein Kurzer mit Garnele. Oder wars ein Rollmops? (sic!)  Hui!

Aus dem Hintergrund tönt Zensuren Zerberos [er hindert die gefallenen Zensuren an der Flucht] großmütig: Ey,  hört doch mal aueff! (arrogant:) Jaja, wenn er dran sein sollte, kannst’n mir auch geben.

ZZ (jetzt ängstlich): Matthias?

Ich: Hei Zensuren Zerberos!

ZZ: ACH DU SCHEIßE!

Aus dem Off (mit Doppler-Effekt): Hihihihihi.

Und so beginnt es, unser Breitensport-Open in Leipzig.


1. Mannschaft U20 erneut Sachsenmeister

Erik informiert uns über das souveräne Abschneiden der U20:

4. Runde: Wichtiger Sieg gegen einen Mitfavoriten

Bereits vor zwei Wochen bestritten wir das Heimspiel gegen die Mannschaft von TuS Coswig, welche wir vor der Saison als eine der stärksten Mannschaften in der Liga einschätzten. In den ersten drei Runden hatten sie nur einen Mannschaftspunkt gegen den Vorjahresdritten Hoyerswerda abgegeben. Witterungsbedingt verzögerte sich die Anreise der Gäste, weshalb die Partien erst eine halbe Stunde später als geplant beginnen konnten.

Als Erster konnte Huy Nguyen seine Partie beenden und einen halben Brettpunkt beisteuern. Niklas Linnert und Erik Fischer durften ihre Partien wenig später fast zeitgleich gewinnen und uns in Führung bringen. Nachdem Daniel Helmrich sich mit seinem Gegner auf Remis geeinigt hatte, musste Toni Merkel im Endspiel aufgeben. Nun hing alles vom Ergebnis am zweiten Brett ab, an welchem Daniel Zähringer für uns spielte. Seine Gegnerin übersah unter Erfolg- und Zeitdruck eine kleine Kombination, welche mit einem Matt endete und uns einen weiteren vollen Brettpunkt bescherte.

Somit also ein spannender 4:2 Sieg gegen einen direkten Konkurrenten.

5. Runde: Auswärtssieg zum Titelgewinn

Heute mussten wir auswärts gegen das Team aus Hoyerswerda spielen, welches bereits in der Vorsaison vor allem durch Konstanz gepunktet hatte und nach der vierten Runde mit drei Punkten Rückstand direkt hinter uns auf Platz 2 in der Tabelle stand. Wie erwartet spielten die Gastgeber fast in Stammbesetzung, nur ein Ersatzspieler musste zum Einsatz kommen. Erik Fischer einigte sich kurz nach der Eröffnungsphase mit seinem Gegner auf die Punkteteilung. Toni Merkel folgte diesem Beispiel wenig später, während Daniel Helmrich seine Partie sehenswert gewinnen konnte. Huy Nguyen nahm ein Remisangebot mit Blick auf das Mannschaftsergebnis an, da der Sieg von Niklas Linnert, welcher kurz darauf folgte, sich bereits abgezeichnet hatte. Der Mannschaftssieg war somit perfekt und Daniel Zähringer, in leicht gedrückter Stellung, nahm ein Remisangebot seines Gegners dankend an. Da das Team der SG Leipzig gegen TuS Coswig heute nicht gewinnen konnte, sind wir somit zwei Runden vor Saisonende erneut vorzeitig Sachsenmeister!

In der kommenden Runde sind wir spielfrei bevor wir am 18.03. unser letztes Spiel gegen die SG Leipzig I in Plauen bestreiten.


Odysseus im braunen Salon

Es wird berichtet, dass Odysseus noch vor der Erstürmung Trojas in die Stadt eindrang, weil er seinen Feinden das kriegswichtige Palladion abspenstig machen musste. Um unerkannt zu bleiben, nahm er den zähsten (in Fachkreisen: den zärsten) Weg – durch Trojas Kloake.
Am vergangenen Wochenende gelang es mir, diesen titanischen Mythos der fäkalisierten Heroik im Spiel gegen Aue schachlich umzusetzen:

Miroslav Jurasek - Matthias Hörr, Stellung nach 23. f5

Miroslav Jurasek (2305) – Matthias Hörr (2183), Stellung nach 23. f5

Es folgte: Lxd5, 24. exd5 g5 25. Lg3 Lf6 26. Lf2 Le5+ 27. Lg3 Lf6 28. Lf2 Ta3 29. Lxd4 Lxd4 30. h4 f6 31. Dd1 Kg7 32. Te1

Ilions Feste thront mächtig auf den weißen Feldern. Allein: Die Scheiße bahnt sich ihren Weg.

Stellung nach 32. Te1. Ilions Feste thront mächtig über den weißen Feldern. Allein: Die Scheiße bahnt sich anderswo ihren Weg.

Qa5 33. Te4 Le5+ 34. Kh3 Ta2 35. Te2 Ta8 Die Bogenschützen haben sich in der Kloake versammelt.

36. Lf3 Dd8 37. Tc2 T8a3 38. Dd2 Txc2 39. Dxc2 Da8 40. Le2 Ta2 41. Dd1 Da3 Die Wurst winkt!

42. h5 Lc3 43. Kg2 Und nun kommt Odysseus aus der Latrine gekrochen.

Td2 44. Df1 Da2 45. Kf3 Le5 46. Td1 Tc2 47. Te1 Db2 48. Ld1 Td2 Immer schön die kackbraunen Felder entlang robben.

49. Te4

Alle weißen Figuren auf Weiß, alle schwarzen Figuren auf Schwarz - man bekommt den Eindruck, hier wurde auf unterschiedlichen Feldern Dame gespielt.

Stellung nach 49. Te4. Alle weißen Figuren auf Weiß, alle schwarzen Figuren auf Schwarz – man bekommt den Eindruck, hier wurde auf unterschiedlichen Feldern Dame gespielt.

Db1 50. Le2 Dxb3 51. Dc1 Da2 0-1


Blinker links und Schulterblick

Nachdem die Zweite Mannschaft im Oktober ihre Anlaufschwierigkeiten überwunden und die Spur wiedergefunden hatte, bewies sie heute Gespür für den Überholstreifen. Die Fahrer von SG Leipzig V setzten alles auf geringes Gewicht und bestückten ihren Boliden nur mit 7 Mann. So sah Christof schon wie der sichere erste Sieger des Tages auf, doch Lion machte unglaublich Betrieb und kam nur kurz nach ihm samt vollen Punkt über die Ziellinie. Der Partieverlauf weckte bei allen Umstehenden Zweifel, ob der Sizilianer überhaupt noch eine ernstzunehmende Eröffnung darstellt. Huy musste bereits kurz nach Semesterbeginn feststellen, dass er am Brett nun schon zum alten Eisen zählt und machte wohl auch in Hinblick hierauf Gebrauch vom akademischen Viertel. Seine Partie hatte ihre Höhepunkte in den ersten 20 Zügen, wonach die Stellung zusehends verkeilte und Remis gegeben wurde. Um so etwas gar nicht aufkommen zu lassen hatte ich im frühen Mittelspiel das Zentrum mittels Bauernopfer gesprengt und konnte mit einsetzendem Rückenwind schnell punkten. Edwin brauchte ein paar Züge länger, hatte aber dennoch überhaupt keine Mühe, den frühen Mannschaftssieg sicherzustellen.

Die drei verbleibenden Partien galten lediglich dem Protokoll. Adam zeigte sich bei seinem Debüt unzufrieden mit dem eigenen Spiel, doch der Straßenbelag der Landesklasse toleriert so manchen Schaltfehler und entsprechend konnte auch er gewinnen. Die beiden anderen Partien gingen verloren: Olaf riss Altmeister Starke per Figurenopfer das Lenkrad aus der Hand, leistete sich in der Folge jedoch einen Einsteller und blieb dann auf der Strecke liegen. Jochen konnte in der Dritten mit der umgekehrten Reihenfolge – erst Einsteller, dann Opfer – noch ein halben Punkt retten. Trotz des intensiven Waschgangs am Freitag zeigte Erik heute einige Unsauberkeiten bei der Stellungsbehandlung. Beide Seiten hatten ihre Schwächen in der Bauernstruktur, doch Eriks erwiesen sich als die verwundbareren und so blieb es beim 5,5-2,5. Übrigens konnte Tobi in der entfernten Hofwiesenstraße sicherstellen, dass die Wilden Säue dieses Wochenende verlustpunktfrei überstanden, während sich die Kirschsaison offenbar dem Ende entgegen neigt.

Mit der aufgenommenen Fahrt bietet sich für die Zweite wieder die Chance, bis zur Sachsenligasaison 2016/17 durchzurollen. Rollin, Rollin, Rollin


Erste kommt mit blauem Auge bei VfB Leipzig davon

Es gab zum Wochenende zahlreiche Ausfälle in der Ersten, was sich leider auch in den anderen Mannschaften bemerkbar machte. In der Oberliga reichte es dieses Mal ebenfalls nicht zu einem souveränen Sieg. Mit vier Titelträgern im Ober- und vier Hilfsarbeitern im Unterhaus kamen wir gegen VfB Leipzig über ein 4:4 nicht hinaus.

Es deutete sich zeitig an, dass die vollen Punkte an diesem Tag sehr hoch hängen würden. Als einziger konnte ich meinen Gegner frühzeitig aufs Glatteis führen und großen Vorteil erlangen. An den meisten anderen Brettern wurde hingegen die erste Runde des Kandidatenfinales nachgestellt. Mathias lehnt zwar gleich zu Beginn Remis ab, konnte mit Schwarz dann aber gegen eine solide Spielweise keine vorteilhaften Verwicklungen zurechtspinnen und willigte bei symmetrischer Struktur doch bald in die Punkteteilung ein. Das gleiche Bild ergab sich bei Kura und Roland. Auch ihre Gegner wählten mit Weiß grundständige Aufbauten und konnten sich so jeweils über einen ungefährdeten halben Punkt freuen. Anders verlief die Partie bei Sven, der sich schon in der frühen Eröffnungsphase mit unorthodoxen gegnerischen Bauernvorstößen konfrontiert sah. Sven versuchte, aus den entstehenden Schwächen Kapital zu schlagen, opferte einen Bauern, fand sich dann jedoch in bedrängter Lage wieder und nahm das Remisgebot entsprechend gern an. Für ein solches Ergebnis schien es bei Lion schon zu spät. In sehr aussichtsreicher Stellung überrumpelte ihn ein kraftvolles Qualitätsopfer, das die Koordination seiner Figuren sehenswert zerstörte und uns später die erste Niederlage des Tages bescherte. Gut, dass Thomasz am ersten Brett routiniert agierte. Mit Weiß ließ er sich auf keine Sperenzchen ein, sondern stellte sich ruhig auf, um erst im Endspiel seine Klasse entscheidend in Szene zu setzen. Kurz vorher hatte auch ich meine Partie gewinnen können, so dass wir nun sogar in Führung lagen. Die Bedeutungslosigkeit dessen war allerdings schon abzusehen. Christof hatte im Endspiel eine glatte Qualität weniger und konnte dies auch nicht wie Schachfreund Giso Müller am Nachbarbrett mit sonstigen vorteilhaften Arrangements ausgleichen. Wenn nur noch ein Turm auf dem Brett ist, bedarf es nur noch wenig Koordination.

Auf den Tabellenstand wirkt sich der Punktverlust wenig aus, da Leipzig und Hoyerswerda ebenfalls 4:4 spielten. Wir können die letzte Doppelrunde deswegen weiterhin mit einem angenehmen 4-Punktevorsprung und ebenso tollem Torverhältnis angehen.


Alles bestens in der Oberliga

„Experience is a hard teacher because she gives the test first, the lesson afterwards.“ Schachspielende Handybenutzer teilt man gemeinhin in zwei Kategorien: Solche, die vor lauter Gutgläubigkeit die Heimfahrt schon während der Partie klären wollen und jene, die die Anreise trotz mehrfacher Benachrichtigung verschwitzen. Die erste Mannschaft hatte zum Doppelheimspiel an diesem Wochenende Glück, dass genug Ersatzspieler zur Verfügung standen, um kurzfristige Ausfälle zu verkraften. Zu Gast waren die zuletzt sehr überzeugend auftretenden Schachfreunde aus Hoyerswerda und die Reserve von USV TU Dresden.

Da uns Hoyerswerda in der Tabelle mit nur einem Punkt Abstand hinterherhechelte, bot sich am Samstag die Chance, unsere Aufstiegsambitionen gehörig zu unterstreichen. Wenngleich sich der deutliche Sieg zwischenzeitig nicht aus den Brettern lesen ließ, liefen wir nie große Gefahr, Punkte liegen zu lassen. Christof kam wie gesagt über Nacht zu seinem Einsatz, zeigte sich aber trotzdem theoriefest – mit Schwarz bedeutet das dynamischen Ausgleich und so wurde Remis vereinbart, als klar war, dass Dimitrios und Kura volle Punkte einfahren werden. Letzterer hatte schon früh mit seiner Dame aus der Ferne die schwarze Stellung in Augenschein genommen und seinen Gegner empfindlich in der Entwicklung gestört.
Auch ich stand zum Ausgang der Eröffnung sehr vielversprechend, gab mich dann jedoch unnötiger Moddelei hin. Als dann bei knapper Zeit mein Angriffsplan ins Stocken geriet, war ich mir immer noch zu fein, die Zugwiederholung zu akzeptieren. Der Übermut war völlig fehl am Platze – wenig später gab ich auf. Es blieb dies unsere einzige Niederlage an diesem Tage. Tomasz‘ Gegner ließ sich zum 41. Zug seine Stellung gründlich durch den Kopf gehen und strich zuglos die Segel. Ein weiterer halber Punkt kam von Roland, der trotz anfälliger Bauernstruktur im Endspiel zu Gegenspiel kam und somit alle gegnerischen Aktivpläne zunichtemachte. Es liefen danach noch die Partien von Lutz und Jolanta, die nach der Zeitkontrolle optisch sehr ansprechend stand, dann aber doch noch überraschend in die Defensive geriet und mit ihrem König zwischen a1 und b1 pendelte. In dieser Situation verlor dann wiederum ihr Gegner den Faden; dieses Mal endgültig. Schon vorher kam es zum Showdown bei Lutz. Leichtfertig setzte er sich im Schwerfigurenendspiel einer furchteinflößenden Schachsalve aus, die seinen König tief ins gegnerische Lager trieb. Letztlich fühlte sich sein Monarch dort wohler als sein Opponent, was sich aber als fatal herausstellte. Ausgerechnet nachdem Lutz sich konsolidieren konnte, ließ er sich mit einem Patttrick verarschen. Auf den Mannschaftssieg hatte das selbstredend keinen Einfluss mehr – die Tabellenführung war souverän ausgebaut worden.

Am Sonntag stand die vermeintlich leichtere Aufgabe gegen Dresden II an, die wohl auch aufgrund der Terminüberlappung mit der zweiten Liga auf alle acht Stammspieler verzichten mussten. Mich hat es dennoch gleich aus der Eröffnung heraus vom Brett geweht. Als einziger Lichtblick blieb, dass Lutz nach drei Stunden ins Remis einwilligte und ich so nicht als erster meine Partie beendete. Es steht zu hoffen, dass man nach dieser Leistung bzgl. meiner Spielstärke mehr auf mein eigenes Urteil vertraut. Dimitrios sorgte rasch wieder für den Ausgleich. Kura hatte sich mit Schwarz zwar auch einen leichten Vorteil erspielen können, kam über die Punkteteilung jedoch nicht hinaus. Das kleine Plus genügte hingegen Tomasz für den ganzen Zähler. In der akkuraten Behandlung des Turmendspiels kam die Großmeisterklasse effektiv zur Geltung.
Jolantas Partie roch lange Zeit nach Remis, obwohl ihr König eine bedrohlich aktive Position eingenommen hatte. Letztlich schien aber nicht dieser Aspekt den Ausschlag zu geben, sondern ein unschuldig anmutender Turmtausch, der das gegnerische Lager ohne die nötigen Verteidigungskräfte zurücklies. Die beiden verbliebenen Partien gaben auch Anlass zur Freude. Mathias ersetze Christof am letzten Brett und hatte eine Mehrfigur ins Turmendspiel gerettet, wo er sichtlich bemüht war, seinen letzten Bauern auf dem Brett zu halten. Zum Schluss entschied jedoch ein überfallartiger Mattangriff mit König, Turm und Springer. Ruhiger, deswegen aber nicht weniger kraftvoll, brachte Roland seine Partie zu Ende. Mit Mehrqualität beherrschte er das ganze Brett und konnte sich jede Zeit der Welt lassen, um seine Schwerfiguren auf der h-Linie in Stellung zu bringen. Sein Gegner sah das vermeintliche Ende wohl kommen, konnte den zu erwartenden Manövern jedoch nur suspensiven Widerstand entgegensetzen; das Eindringen war nicht mehr zu verhindern.

Mit den beiden hohen Siegen lagen wir im Soll. Da die Coswiger zudem gerade gegen beide Mannschaften von SG Leipzig ihren unglücklichen Saisonstart beendeten, zeigt sich die Tabelle von ihrer besten Seite. Bei noch vier ausstehenden Spielen führt unser Team die Staffel mit vier Punkten an. Es würde von großer Unerfahrenheit zeugen, wenn der Aufstieg nochmals in Gefahr geraten sollte.