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Nachlese VfB-Open

Die Leipziger Zementmischer können wieder aufatmen: Mit der Buchmesse haben die Schachrabauken die Stadt verlassen. Die komplette letzte Woche marodierte ich dort zusammen mit dem mitteilsamen Erik (flatrate!) und den gefürchteten Daniels (auch abseitiges Equipment findet Verwendung). Anlass sollte das VfB-Open in der Red-Bull-Arena gewesen sein oder ging es etwa doch um anderes?

Jaja, auch hierfür war Zeit. Aber verdammte Axt, wo ist dieser scheiß Festplatz?

Anfangs noch bei Leipziger Schachfreunden einquartiert folgte ich am zweiten Turniertag den Geistern, die mich riefen. Ihr reger Reigen entführte mich an das gestrandete Fluggerät, nahe dem von nun an auch meine Fahne im Casa del Daniel wehte. Bei dieser Pressdeckung konnte es freilich nicht ausbleiben, dass sich alsbald Socken und Buxen an den unmöglichsten Orten sammelten. Und siehe da: Die beste Hose ist immer noch die Leihhose. Man wohnt robust.

Schachlich hatte es zum Zeitpunkt meines Umzug bereits kräftig gewirbelt. Erik erschrak  in Runde 1 am Spitzenbrett nicht vor der windigen Eröffnungsbehandlung von GM Alexander Graf. Neben der Turnierleitung richtete auch er unangenehme Fragen an den Großmeister. Nach 20 Zügen verzeichneten beide Uhren nur mehr noch knapp über 15 Minuten. Erik bot Remis, als allein eine digitale Ausrede die großmeisterliche Position hätte am Leben halten können. Graf willigte ein und auch Daniel Helmrich konnte als Underdog einen halben Zähler einheimsen.

Erik Fischer (1869) – GM Alexander Graf (2583): Eine Auftaktniederlage wäre doch zu blöd. Veröffentlichung des Fotos mit freundlicher Genehmigung der freundlichsten Turnierleitung.

Mir flog in der Auftaktrunde zum zweiten Mal in drei Tagen die Eröffnung um die Ohren, weshalb ich über ein Remis nicht hinaus kam. Im weiteren Turnierverlauf fehlte mir andauernd dieser halbe Punkt, um gegen die Großen gelost zu werden. Stattdessen zog das anfängliche Gepatze jeweils ein Freundschaftsspiel in Runde 4 und 8 nach sich. Nicht schlecht staunten die Kiebitze allerdings bereits in Runde 2, als ich mit Schwarz meinen 800-punktigen Wertzahl-Vorsprung in Folgendes ummünzte:

Bromert, Tobias (DWZ 1357) – Hörr, Matthias (DWZ 2145): Hier hielten die Kiebitze 29. … Tc7 für erzwungen, was aber an 30. Dg6 Df3 31. Dd6 scheitert. Ich setzte alles auf die flotte Vorwärtsverteidigung 29. … Lf6, wonach mein Gegner tatsächlich den Faden verlor: 30. Lb4 Lc6 31. Se4 Db3 (auch Schwarz kann drohen) 32. Dh6 Lg7 33. Df4 Te8 34. Sd6 Lf3 mit späterem 0:1

Die Außenstehenden ahnten wohl nur dunkel, welchem Stimmungseinbruch sie hier verdammt knapp entkamen. Einem Leipziger Schachfreund, dem in der gleichen Situation das Glück nicht so hold war wie mir, schmiss daraufhin übrigens das Turnier.

Zu solchen Maßnahmen drängte es uns danach nicht mehr. Die Jungs remiserten, mal sicherer, mal weniger, mal aus Verzweiflung, mal aus Großmütigkeit. „Ich biete immer Remis, sobald ich einen aktiven Zug machen kann.“ Einige Siege fielen auch ab – was der Leber missfiel. Insbesondere Daniel ZZ hatte deutlich stärkere Gegner. Dumm lief es in der achten Runde, als wir beide gegen einander gepaart wurden, während Daniel und Erik unseren Niederlagenzähler mit einem Schlag verdoppelten. Hach, ausgerechnet gegen den, ausgerechnet so!

Aber gut; anders als ich zeigten die Jungs selbst in diesem Setting menschliche Größe und so verlief unser letzter Abend angenehmer als der tags zuvor. Denn wer freut sich nicht, wenn Karriereempfehlungen dem Wrack einer Fregatte entweichen? Dabei trafen sich in der Pleißenburg ja doch nur Land- und Leseratten. Naja, und Leichtmatrosen.

Die letzte Runde fand dann unter denkwürdigen akustischen Verhältnissen statt. Aber wir nahmen das hin, schließlich gab es PUNKTE, PUNKTE, PUNKTE – wenn auch nicht auf dem Schachbrett. Ob andere Sportler ahnen, wie lang wir brauchen, bis wir mal zur Siegerehrung kommen?

  • 10. Matthias Hörr 6,5/9 (2155, -9)
  • 18. Daniel Zähringer 5,5/9 (2149, +48)
  • 30. Erik Fischer  5/9 (2030, +39)
  • 58. Daniel Helmrich 4/9 (1884, +26)

(100 Teilnehmer. Man beachte, dass Daniel mit einem Punkt weniger als ich die gleiche Performance erzielte…)

Einsteller, Nervengifte und schlechte Witze leiteten wir hierhin um.  Manches davon wurde aber abgewiesen.

Wir schließen mit Sprüchen und Lehren aus dem Buch der Weisen.

  • Bin ich nicht hier, bin ich aufm Parkdeck – man wird doch hier oben irgendwie raus kommen.
  • Barkeeper reagieren auf Dreistigkeit wie Türsteher aufs Einmaleins.
  • „Seht ihr schon irgendwelche Kirchen?“
  • Was ruft er auch noch so spät an, dieser Spast?!
  • „Dein Schnarchen klingt wie’s Furzen.“ – Symptome der seltenen Grippe kneipicus
  • Über den gepflegten Umgang mit Eltern: „Na kommt ihr jetzt noch?“
  • Diese Geschichte mit den Reiskörnern auf den Schachfeldern funktioniert übrigens auch mit Katzenstreu – Gruß an die Mädelz!
  • Rucksäcke sind im FloPo zu lagern, nicht an der Uni.
  • „Wie, Du hast noch Teller?“

Ach, und natürlich das Wichtigste: Auch Daniel ist noch immer ganz der alte.


Beginn der Leipziger Chaos-Tage

Es ging bereits straff auf 2:00 Uhr (Hat denn die Geisterstunde schon auf Sommerzeit umgestellt?), als ich mich nach einer denkwürdigen, allerdings gar nicht mal so kuriosen Recherche auf einem seriellen Sesselduo in den Schlaf dachte (nichts Tiefschürendes), damit Erfolg hatte, dann aber dennoch in eine andere Parallelwelt zurückgeholt wurde: Ringdididing, Ringdididing.

Ich: Hmm?

Phantom des Pfandes: Matthias, was hast Du heute Abend noch gemacht?

Ich: Hmmm.

PP: Ne, sag mal!

Ich: … Erzähle ich morgen.

PP: Uns hatte es dann bei den Rüben gegruselt. Ich geb Dich mal weiter. OK?

Ich: Hö?I

Mobiles Monster: Matthias, was hast Du heute Abend noch gemacht?

Ich: Hmmm!

MM: Na, wir waren noch irgendwo. Da gabs Versenkten Matrosen…

Ich: Was ist denn das für eine Missetat?

MM: Das war ein Kurzer mit Garnele. Oder wars ein Rollmops? (sic!)  Hui!

Aus dem Hintergrund tönt Zensuren Zerberos [er hindert die gefallenen Zensuren an der Flucht] großmütig: Ey,  hört doch mal aueff! (arrogant:) Jaja, wenn er dran sein sollte, kannst’n mir auch geben.

ZZ (jetzt ängstlich): Matthias?

Ich: Hei Zensuren Zerberos!

ZZ: ACH DU SCHEIßE!

Aus dem Off (mit Doppler-Effekt): Hihihihihi.

Und so beginnt es, unser Breitensport-Open in Leipzig.


1. Mannschaft U20 erneut Sachsenmeister

Erik informiert uns über das souveräne Abschneiden der U20:

4. Runde: Wichtiger Sieg gegen einen Mitfavoriten

Bereits vor zwei Wochen bestritten wir das Heimspiel gegen die Mannschaft von TuS Coswig, welche wir vor der Saison als eine der stärksten Mannschaften in der Liga einschätzten. In den ersten drei Runden hatten sie nur einen Mannschaftspunkt gegen den Vorjahresdritten Hoyerswerda abgegeben. Witterungsbedingt verzögerte sich die Anreise der Gäste, weshalb die Partien erst eine halbe Stunde später als geplant beginnen konnten.

Als Erster konnte Huy Nguyen seine Partie beenden und einen halben Brettpunkt beisteuern. Niklas Linnert und Erik Fischer durften ihre Partien wenig später fast zeitgleich gewinnen und uns in Führung bringen. Nachdem Daniel Helmrich sich mit seinem Gegner auf Remis geeinigt hatte, musste Toni Merkel im Endspiel aufgeben. Nun hing alles vom Ergebnis am zweiten Brett ab, an welchem Daniel Zähringer für uns spielte. Seine Gegnerin übersah unter Erfolg- und Zeitdruck eine kleine Kombination, welche mit einem Matt endete und uns einen weiteren vollen Brettpunkt bescherte.

Somit also ein spannender 4:2 Sieg gegen einen direkten Konkurrenten.

5. Runde: Auswärtssieg zum Titelgewinn

Heute mussten wir auswärts gegen das Team aus Hoyerswerda spielen, welches bereits in der Vorsaison vor allem durch Konstanz gepunktet hatte und nach der vierten Runde mit drei Punkten Rückstand direkt hinter uns auf Platz 2 in der Tabelle stand. Wie erwartet spielten die Gastgeber fast in Stammbesetzung, nur ein Ersatzspieler musste zum Einsatz kommen. Erik Fischer einigte sich kurz nach der Eröffnungsphase mit seinem Gegner auf die Punkteteilung. Toni Merkel folgte diesem Beispiel wenig später, während Daniel Helmrich seine Partie sehenswert gewinnen konnte. Huy Nguyen nahm ein Remisangebot mit Blick auf das Mannschaftsergebnis an, da der Sieg von Niklas Linnert, welcher kurz darauf folgte, sich bereits abgezeichnet hatte. Der Mannschaftssieg war somit perfekt und Daniel Zähringer, in leicht gedrückter Stellung, nahm ein Remisangebot seines Gegners dankend an. Da das Team der SG Leipzig gegen TuS Coswig heute nicht gewinnen konnte, sind wir somit zwei Runden vor Saisonende erneut vorzeitig Sachsenmeister!

In der kommenden Runde sind wir spielfrei bevor wir am 18.03. unser letztes Spiel gegen die SG Leipzig I in Plauen bestreiten.


Odysseus im braunen Salon

Es wird berichtet, dass Odysseus noch vor der Erstürmung Trojas in die Stadt eindrang, weil er seinen Feinden das kriegswichtige Palladion abspenstig machen musste. Um unerkannt zu bleiben, nahm er den zähsten (in Fachkreisen: den zärsten) Weg – durch Trojas Kloake.
Am vergangenen Wochenende gelang es mir, diesen titanischen Mythos der fäkalisierten Heroik im Spiel gegen Aue schachlich umzusetzen:

Miroslav Jurasek - Matthias Hörr, Stellung nach 23. f5

Miroslav Jurasek (2305) – Matthias Hörr (2183), Stellung nach 23. f5

Es folgte: Lxd5, 24. exd5 g5 25. Lg3 Lf6 26. Lf2 Le5+ 27. Lg3 Lf6 28. Lf2 Ta3 29. Lxd4 Lxd4 30. h4 f6 31. Dd1 Kg7 32. Te1

Ilions Feste thront mächtig auf den weißen Feldern. Allein: Die Scheiße bahnt sich ihren Weg.

Stellung nach 32. Te1. Ilions Feste thront mächtig über den weißen Feldern. Allein: Die Scheiße bahnt sich anderswo ihren Weg.

Qa5 33. Te4 Le5+ 34. Kh3 Ta2 35. Te2 Ta8 Die Bogenschützen haben sich in der Kloake versammelt.

36. Lf3 Dd8 37. Tc2 T8a3 38. Dd2 Txc2 39. Dxc2 Da8 40. Le2 Ta2 41. Dd1 Da3 Die Wurst winkt!

42. h5 Lc3 43. Kg2 Und nun kommt Odysseus aus der Latrine gekrochen.

Td2 44. Df1 Da2 45. Kf3 Le5 46. Td1 Tc2 47. Te1 Db2 48. Ld1 Td2 Immer schön die kackbraunen Felder entlang robben.

49. Te4

Alle weißen Figuren auf Weiß, alle schwarzen Figuren auf Schwarz - man bekommt den Eindruck, hier wurde auf unterschiedlichen Feldern Dame gespielt.

Stellung nach 49. Te4. Alle weißen Figuren auf Weiß, alle schwarzen Figuren auf Schwarz – man bekommt den Eindruck, hier wurde auf unterschiedlichen Feldern Dame gespielt.

Db1 50. Le2 Dxb3 51. Dc1 Da2 0-1


Blinker links und Schulterblick

Nachdem die Zweite Mannschaft im Oktober ihre Anlaufschwierigkeiten überwunden und die Spur wiedergefunden hatte, bewies sie heute Gespür für den Überholstreifen. Die Fahrer von SG Leipzig V setzten alles auf geringes Gewicht und bestückten ihren Boliden nur mit 7 Mann. So sah Christof schon wie der sichere erste Sieger des Tages auf, doch Lion machte unglaublich Betrieb und kam nur kurz nach ihm samt vollen Punkt über die Ziellinie. Der Partieverlauf weckte bei allen Umstehenden Zweifel, ob der Sizilianer überhaupt noch eine ernstzunehmende Eröffnung darstellt. Huy musste bereits kurz nach Semesterbeginn feststellen, dass er am Brett nun schon zum alten Eisen zählt und machte wohl auch in Hinblick hierauf Gebrauch vom akademischen Viertel. Seine Partie hatte ihre Höhepunkte in den ersten 20 Zügen, wonach die Stellung zusehends verkeilte und Remis gegeben wurde. Um so etwas gar nicht aufkommen zu lassen hatte ich im frühen Mittelspiel das Zentrum mittels Bauernopfer gesprengt und konnte mit einsetzendem Rückenwind schnell punkten. Edwin brauchte ein paar Züge länger, hatte aber dennoch überhaupt keine Mühe, den frühen Mannschaftssieg sicherzustellen.

Die drei verbleibenden Partien galten lediglich dem Protokoll. Adam zeigte sich bei seinem Debüt unzufrieden mit dem eigenen Spiel, doch der Straßenbelag der Landesklasse toleriert so manchen Schaltfehler und entsprechend konnte auch er gewinnen. Die beiden anderen Partien gingen verloren: Olaf riss Altmeister Starke per Figurenopfer das Lenkrad aus der Hand, leistete sich in der Folge jedoch einen Einsteller und blieb dann auf der Strecke liegen. Jochen konnte in der Dritten mit der umgekehrten Reihenfolge – erst Einsteller, dann Opfer – noch ein halben Punkt retten. Trotz des intensiven Waschgangs am Freitag zeigte Erik heute einige Unsauberkeiten bei der Stellungsbehandlung. Beide Seiten hatten ihre Schwächen in der Bauernstruktur, doch Eriks erwiesen sich als die verwundbareren und so blieb es beim 5,5-2,5. Übrigens konnte Tobi in der entfernten Hofwiesenstraße sicherstellen, dass die Wilden Säue dieses Wochenende verlustpunktfrei überstanden, während sich die Kirschsaison offenbar dem Ende entgegen neigt.

Mit der aufgenommenen Fahrt bietet sich für die Zweite wieder die Chance, bis zur Sachsenligasaison 2016/17 durchzurollen. Rollin, Rollin, Rollin


Erste kommt mit blauem Auge bei VfB Leipzig davon

Es gab zum Wochenende zahlreiche Ausfälle in der Ersten, was sich leider auch in den anderen Mannschaften bemerkbar machte. In der Oberliga reichte es dieses Mal ebenfalls nicht zu einem souveränen Sieg. Mit vier Titelträgern im Ober- und vier Hilfsarbeitern im Unterhaus kamen wir gegen VfB Leipzig über ein 4:4 nicht hinaus.

Es deutete sich zeitig an, dass die vollen Punkte an diesem Tag sehr hoch hängen würden. Als einziger konnte ich meinen Gegner frühzeitig aufs Glatteis führen und großen Vorteil erlangen. An den meisten anderen Brettern wurde hingegen die erste Runde des Kandidatenfinales nachgestellt. Mathias lehnt zwar gleich zu Beginn Remis ab, konnte mit Schwarz dann aber gegen eine solide Spielweise keine vorteilhaften Verwicklungen zurechtspinnen und willigte bei symmetrischer Struktur doch bald in die Punkteteilung ein. Das gleiche Bild ergab sich bei Kura und Roland. Auch ihre Gegner wählten mit Weiß grundständige Aufbauten und konnten sich so jeweils über einen ungefährdeten halben Punkt freuen. Anders verlief die Partie bei Sven, der sich schon in der frühen Eröffnungsphase mit unorthodoxen gegnerischen Bauernvorstößen konfrontiert sah. Sven versuchte, aus den entstehenden Schwächen Kapital zu schlagen, opferte einen Bauern, fand sich dann jedoch in bedrängter Lage wieder und nahm das Remisgebot entsprechend gern an. Für ein solches Ergebnis schien es bei Lion schon zu spät. In sehr aussichtsreicher Stellung überrumpelte ihn ein kraftvolles Qualitätsopfer, das die Koordination seiner Figuren sehenswert zerstörte und uns später die erste Niederlage des Tages bescherte. Gut, dass Thomasz am ersten Brett routiniert agierte. Mit Weiß ließ er sich auf keine Sperenzchen ein, sondern stellte sich ruhig auf, um erst im Endspiel seine Klasse entscheidend in Szene zu setzen. Kurz vorher hatte auch ich meine Partie gewinnen können, so dass wir nun sogar in Führung lagen. Die Bedeutungslosigkeit dessen war allerdings schon abzusehen. Christof hatte im Endspiel eine glatte Qualität weniger und konnte dies auch nicht wie Schachfreund Giso Müller am Nachbarbrett mit sonstigen vorteilhaften Arrangements ausgleichen. Wenn nur noch ein Turm auf dem Brett ist, bedarf es nur noch wenig Koordination.

Auf den Tabellenstand wirkt sich der Punktverlust wenig aus, da Leipzig und Hoyerswerda ebenfalls 4:4 spielten. Wir können die letzte Doppelrunde deswegen weiterhin mit einem angenehmen 4-Punktevorsprung und ebenso tollem Torverhältnis angehen.


Alles bestens in der Oberliga

„Experience is a hard teacher because she gives the test first, the lesson afterwards.“ Schachspielende Handybenutzer teilt man gemeinhin in zwei Kategorien: Solche, die vor lauter Gutgläubigkeit die Heimfahrt schon während der Partie klären wollen und jene, die die Anreise trotz mehrfacher Benachrichtigung verschwitzen. Die erste Mannschaft hatte zum Doppelheimspiel an diesem Wochenende Glück, dass genug Ersatzspieler zur Verfügung standen, um kurzfristige Ausfälle zu verkraften. Zu Gast waren die zuletzt sehr überzeugend auftretenden Schachfreunde aus Hoyerswerda und die Reserve von USV TU Dresden.

Da uns Hoyerswerda in der Tabelle mit nur einem Punkt Abstand hinterherhechelte, bot sich am Samstag die Chance, unsere Aufstiegsambitionen gehörig zu unterstreichen. Wenngleich sich der deutliche Sieg zwischenzeitig nicht aus den Brettern lesen ließ, liefen wir nie große Gefahr, Punkte liegen zu lassen. Christof kam wie gesagt über Nacht zu seinem Einsatz, zeigte sich aber trotzdem theoriefest – mit Schwarz bedeutet das dynamischen Ausgleich und so wurde Remis vereinbart, als klar war, dass Dimitrios und Kura volle Punkte einfahren werden. Letzterer hatte schon früh mit seiner Dame aus der Ferne die schwarze Stellung in Augenschein genommen und seinen Gegner empfindlich in der Entwicklung gestört.
Auch ich stand zum Ausgang der Eröffnung sehr vielversprechend, gab mich dann jedoch unnötiger Moddelei hin. Als dann bei knapper Zeit mein Angriffsplan ins Stocken geriet, war ich mir immer noch zu fein, die Zugwiederholung zu akzeptieren. Der Übermut war völlig fehl am Platze – wenig später gab ich auf. Es blieb dies unsere einzige Niederlage an diesem Tage. Tomasz‘ Gegner ließ sich zum 41. Zug seine Stellung gründlich durch den Kopf gehen und strich zuglos die Segel. Ein weiterer halber Punkt kam von Roland, der trotz anfälliger Bauernstruktur im Endspiel zu Gegenspiel kam und somit alle gegnerischen Aktivpläne zunichtemachte. Es liefen danach noch die Partien von Lutz und Jolanta, die nach der Zeitkontrolle optisch sehr ansprechend stand, dann aber doch noch überraschend in die Defensive geriet und mit ihrem König zwischen a1 und b1 pendelte. In dieser Situation verlor dann wiederum ihr Gegner den Faden; dieses Mal endgültig. Schon vorher kam es zum Showdown bei Lutz. Leichtfertig setzte er sich im Schwerfigurenendspiel einer furchteinflößenden Schachsalve aus, die seinen König tief ins gegnerische Lager trieb. Letztlich fühlte sich sein Monarch dort wohler als sein Opponent, was sich aber als fatal herausstellte. Ausgerechnet nachdem Lutz sich konsolidieren konnte, ließ er sich mit einem Patttrick verarschen. Auf den Mannschaftssieg hatte das selbstredend keinen Einfluss mehr – die Tabellenführung war souverän ausgebaut worden.

Am Sonntag stand die vermeintlich leichtere Aufgabe gegen Dresden II an, die wohl auch aufgrund der Terminüberlappung mit der zweiten Liga auf alle acht Stammspieler verzichten mussten. Mich hat es dennoch gleich aus der Eröffnung heraus vom Brett geweht. Als einziger Lichtblick blieb, dass Lutz nach drei Stunden ins Remis einwilligte und ich so nicht als erster meine Partie beendete. Es steht zu hoffen, dass man nach dieser Leistung bzgl. meiner Spielstärke mehr auf mein eigenes Urteil vertraut. Dimitrios sorgte rasch wieder für den Ausgleich. Kura hatte sich mit Schwarz zwar auch einen leichten Vorteil erspielen können, kam über die Punkteteilung jedoch nicht hinaus. Das kleine Plus genügte hingegen Tomasz für den ganzen Zähler. In der akkuraten Behandlung des Turmendspiels kam die Großmeisterklasse effektiv zur Geltung.
Jolantas Partie roch lange Zeit nach Remis, obwohl ihr König eine bedrohlich aktive Position eingenommen hatte. Letztlich schien aber nicht dieser Aspekt den Ausschlag zu geben, sondern ein unschuldig anmutender Turmtausch, der das gegnerische Lager ohne die nötigen Verteidigungskräfte zurücklies. Die beiden verbliebenen Partien gaben auch Anlass zur Freude. Mathias ersetze Christof am letzten Brett und hatte eine Mehrfigur ins Turmendspiel gerettet, wo er sichtlich bemüht war, seinen letzten Bauern auf dem Brett zu halten. Zum Schluss entschied jedoch ein überfallartiger Mattangriff mit König, Turm und Springer. Ruhiger, deswegen aber nicht weniger kraftvoll, brachte Roland seine Partie zu Ende. Mit Mehrqualität beherrschte er das ganze Brett und konnte sich jede Zeit der Welt lassen, um seine Schwerfiguren auf der h-Linie in Stellung zu bringen. Sein Gegner sah das vermeintliche Ende wohl kommen, konnte den zu erwartenden Manövern jedoch nur suspensiven Widerstand entgegensetzen; das Eindringen war nicht mehr zu verhindern.

Mit den beiden hohen Siegen lagen wir im Soll. Da die Coswiger zudem gerade gegen beide Mannschaften von SG Leipzig ihren unglücklichen Saisonstart beendeten, zeigt sich die Tabelle von ihrer besten Seite. Bei noch vier ausstehenden Spielen führt unser Team die Staffel mit vier Punkten an. Es würde von großer Unerfahrenheit zeugen, wenn der Aufstieg nochmals in Gefahr geraten sollte.


Oberliga: Erste zieht durch

Der Terminplan der Oberliga sieht es vor, dass wir nach unserem glücklichen Doppelschlag in Magdeburg zunächst gegen zwei vermeintlich weniger erfahrene Teams antreten müssen. Zum ersten der beiden Termine fuhren wir bekanntlich einen hohen und ungefährdeten Sieg gegen Dessau ein, der auch die erwünschte Tabellenführung einbrachte. Der zweite Streich sollte gegen die gerade im Nachwuchs sehr quirligen Coswiger gelingen. Unsere U20 hatte tags zuvor bereits an gleicher Stelle wichtige Punkte gesammelt und notgedrungen auch unserem Fahrdienst detailreiche Ortskenntnisse beschert. Das musste reichen, um die abermals löchrige Aufstellung zu kompensieren – das Unterhaus speiste sich aus den begehrten Filetstücken der Zweiten und Dritten.

Jochens Partie war beizeiten beendet. Als Schwarzer hatte er eine passive Stellung eingenommen und lud seinen Gegner damit ein, ordentlich Druck zu machen. Das gelang diesem zwar auf dem Brett, nicht jedoch auf der Uhr. In Anbetracht der noch zahlreichen bis zur Zeitkontrolle ausstehenden Züge willigte er in Jochens Remisgebot ein und ersparte diesem so, die Festigkeit seiner Verteidigung unter Beweis stellen zu müssen. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich die Dinge an den anderen Brettern schon prächtig entwickelt. Ich konnte zunächst eine kleine Eröffnungsungenauigkeit meines Gegners nicht sofort bestrafen und führte die Partie mit schematischen Zügen wieder sehr schnell in ausgeglichene Gewässer. Doch just in dem Moment, als die Verwicklungen einsetzten, konnte ich von einem erneuten Patzer profitierten. In sieben Zügen verließen 12 Figuren das Brett, wobei mein Gegner zweimal weniger schlagen durfte als ich und folglich aufgab. Allgemein fielen in diesen Minuten an allen Brettern die wichtigen Entscheidungen.
Tomasz hatte im frühen Mittelspiel einen Bauern stibitzt, tauschte die Dame gegen zwei Türme und konnte nun seine Stellung konsolidieren, was einen gefahrlosen Punkt einbrachte. Schon aus früheren Begegnungen wusste er, dass die schwarze Initiative ihrem optischen Eindruck nicht gerecht wird. Ähnlich besonnen zeigte sich Lutz. Uns Aushilfskräften fielen zwei Veränderungen in seiner Spielweise aus: Die Zeiteinteilung war vorbildlich und der Sizilianer erwies sich als ungewöhnlich fest. Lutz parierte ein Figurenopfer, ohne in Schwitzen zu geraten. Geraucht wurde bereits auf der Hinfahrt, weshalb selbst hier keine Probleme auftraten und sein Gegner mit Minusfigur letztlich auch noch seinen König in aussichtsloser Position wiederfand. Besitzstandswahrung kann offenbar so leicht sein, wenn es sich nur um schwarze und weiße Planquadrate handelt. Opferfreudig ging es auch bei Christof zu, der seinen Läufer thematisch auf h6 einschlagen ließ. Diese Effektivität beeindruckte seinen Gegner derart, dass er die angebotene Figur verschmähte und stattdessen selbiges Motiv anwandte – nur dass es Christof leicht fiel, seinen Laden zusammenzuhalten und das Material zu verwerten.
Sven ging ebenso zielstrebig zu Werke. Die Kiebitze waren sich post mortem uneins, welche Seite zwischenzeitlich ein Remisgebot in die Ring warf. In jedem Fall wurde es abgelehnt (von wem auch immer) und Sven holte den ganzen Punkt. Seine Türme und Läufer hatten dankbare Ziele an der Basis der gegnerischen Bauernkette. In der Folge fiel auch noch eine Qualität, die Sven im Schlussstreich zurückgab, um dann einen seiner Bauern ungefährdet über den Rubikon zu führen.
Letzteren hatte Roland leichtfertig überschritten. In einem Kampfgeschehen, welches das gesamte Brett in Anspruch nahm, übersah er einen simplen Einschlag, der ihn klar in Nachteil brachte. Roland konnte sich im Anschluss zwar nochmals durch die Fluten schlagen, ließ sich dann aber erneut überrumpeln – und gegen Matt hilft leider kein Schwimmabzeichen. Der Spieltag war zu diesem Zeitpunkt allerdings schon lang gelaufen. Zu guter Letzt trug noch Mathias zum Torverhältnis bei. Seine theoretische Beflissenheit übertrumpfte heute selbst die manches Großmeisters. Selbstsicher hechelte er keine schwachen Bauern hinterher, sondern setzte zunächst seine Figuren schön in Szene, um die Faulenzer erst danach abzuräumen. Im Endspiel behielt er dann nicht nur einen Mehrbauern, sondern auch noch den zweischneidigen Vorteil des Turm-Läufer-Tandems gegenüber dem Turm-Springer-Paar. Der Rest der Mannschaft musste nicht mehr lang warten, da sich die Stellung bei klarem Vorteil zusehends vereinfachte.

Nach Addition der Ergebnisse ergab sich also ein sehr überzeugender 6,5-1,5-Sieg. Ein Resultat, das dem Spielverlauf gerecht wird, wenngleich es doch unerwartet hoch ausfiel. Auch die übrigen Spiele meinten es gut mit uns. Leipzig II und die stark aufspielenden Hoyerswerdaer kamen nicht über ein Remis hinaus. Noch ist der Vorsprung aber zu klein, um sich einen Patzer erlauben zu können.


Zweite Mannschaft ist glücklicher Tabellenführer

Vor fast 100 Jahren übte Emanuel Lasker eine bemerkenswerte Kritik an den Regeln des Schachs. Diese enthielten derart verschrobene Paragrafen, dass man das königliche Spiel überhaupt nicht als Abbild einer realen Auseinandersetzung begreifen könne. Lasker hatte hier neben dem Rochaderecht vor allem das Spielziel im Sinn. Nicht die kanonische Prämisse des Raumgewinns bei grenzenlosem Spielfeld entscheidet über den Ausgang der Partie, sondern gekünstelte Matt- und Pattkonstruktionen. Im Spitzenspiel der 1. Landesklasse hatte unsere zweite Mannschaft gegen Riesa großes Glück, dass die Schachregeln hinreichend entartet gestaltet wurden, um auch dem streunenden Hund noch eine vage Hoffnung auf ein Fresserchen zu bieten.
Trotz der Anwesenheit von sieben Stammspielern begann der Kampf katastrophal im Sinne aller klassischen Kriterien. Lars hatte gerade erst die zweistelligen Zugzahlen erreicht, als ein simpler Doppelangriff sofort eine Figur einbüßte. Warum kein Springer auf c3 die Diagonale mehr blockierte, blieb nach der Partie genauso ungeklärt, wie die Motivation, den weißfeldrigen Läufer nicht auf b3 zu verankern. Auf c4 fiel er jedenfalls einem Damenschach auf b4 zum Opfer. Christian traf es ähnlich hart, wenn auch nicht ganz so früh: Die nicht ausufernd mondäne Zugfolge seines Gegner brachte sein Konzept durcheinander, was bald zu Schwächen auf beiden Flügeln führte und nach dem Eindringen der weißen Krieger auch schnell eine Figur kostete. Ganz ähnliche Löcher konnte Mathias sein Eigen nennen. Zwar gelang es ihm, den Morra-Bauern behaupten – allerdings auf Kosten einer Qualität. Ich hatte selbstbewusst früh das Zentrum geöffnet, um dann feststellen zu müssen, dass das gegnerische Läuferpaar die fehlende Koordination mehr als ausglich. Auch Roland fühlte sich von zwei Läufern gegängelt. Der Verzicht auf einen Bauern schien ihm noch die besten Möglichkeiten auf ein Remis zu bieten. Christof hatte sich noch eher von einem Bauern getrennt, konnte dafür aber wenigstens den Kompressor in Betrieb nehmen. Olaf war hingegen wie wir anderen mehr Amboss als Hammer. Ein gegnerische Turm auf der siebenten Reihe versetzte ihm in Abstimmung mit Dame und Springer heftige Schläge. Da also einzig Lion eine solide Position erreichte, war zunächst nicht klar, wo in diesem Kampf wenigstens zwei Brettpunkte herkommen sollten.
Rolands Gegner willigte angesichts dessen in ein Remis ein. Christian verlor und Lars hatte mittlerweile ein ganzes Dorf weniger auf den Brett. Doch die vor der Zeitkontrolle einsetzende Geisterstunde meinte es gut mit uns. Mathias konnte einen gegnerischen Turm ins Abseits locken und gewann auf der Grundreihe. Olaf verteidigte sich gut und bekam im Endspiel mit ungleich farbigen Läufern sogar nochmal Höhenluft. Mein Gegner half mir dabei, meine Stellung zu konsolidieren. Trotz eines Notationsproblems ging ich mit einer Mehrfigur ins Turmendspiel und gewann dieses unmittelbar nachdem Lars keine Lust mehr verspürte. Christof wiederholte im 40. Zug zum dritten Mal die Stellung; zusammen mit dem doch nicht mehr abzuwendenden Remis von Olaf ergab sich ein Stand von 3,5-3,5, wobei Lion schon ordentlich Material gepflügt hatte. Es galt nur noch, in dem Wirrwarr von Pseudoaktivität und Pseudodeckung(!) die Übersicht nicht zu verlieren. Ein ausgelassener Elfmeter trug zur allgemeinen Unterhaltung bei – Lions prosaische Methode führte aber auch zum ungefährdeten Sieg.
Unter schamloser Ausnutzung des von Lasker bloßgestellten Irrsinns konnten wir also die Tabellenführung erringen. Zwei Leipziger Mannschaften sind uns dicht auf den Fersen, weshalb es noch zu einigen engen Topspielen kommen dürfte.


Oberliga: Rauchende Duelle in Magdeburg

Die Erste hatte am Wochenende seit langer Zeit wieder einmal das Vergnügen, ihre Kondition in einer Doppelrunde unter Beweis zu stellen. Ausdauer war dabei schon während der Anfahrt vonnöten. Im Stimmungsgefälle von Baustellen und Sackgassen im nicht allerorten grünen Streifen zwischen Greiz und Altenburg kam unserer mitgereisten Präsidentengattin gar der Gedanke, dass ihr Mann weit umgänglicher ist als so mancher Schönwetter-Ortskundiger. Erst drei Minuten vor Rundenbeginn trudelten wir im regnerischen Magdeburg ein – Zeit für Bananenkäufe blieb also nicht.

Zunächst stand die vermeintlich leichtere Aufgabe gegen Rochade Magdeburg an. Das erste entscheidende Manöver vollführte Lutz; jedoch jenseits des Schachbretts. Eine freie Auslegung der schiedsrichterlichen Anweisung „Rauchen bitte vor der Tür!“ sicherte ihm kurze Wege. Dem entsprach auch seine Mittelspiel-Behandlung: Wenig Raum, dafür eine kraftvolle Figurenaufstellung. Sein Gegner erlag angesichts dessen der Versuchung, seine Positionen zu überdehnen und fand sich letztlich in einem aussichtslosen Endspiel mit Turm gegen zwei Leichtfiguren wieder. Kura hatte seine Partie noch etwas eher beendet. Das Verschmähen eines Gambitbauerns führte alsbald zu einer fleischlosen Stellung, bei der zu allem Überfluss fast jeder Zug den Abtausch eines Figurenpaares nach sich zog. Man einigte sich folglich schnell auf Remis.
Das gleiche Ergebnis lieferte die Partie am Spitzenbrett, nur war hier der Spielverlauf überaus hektisch. Tomasz wurde von einer Opferstafette überzogen, die ihm zwar einen höllischen Materialvorteil bescherte, letztlich aber doch die Zugwiederholung erzwang. Roland konnte hingegen überzeugend einen ganzen Punkt beisteuern. Seine Stellung entwickelte sich nach der Eröffnung prächtig; die Diagonalen gegen den schwarzen König waren so fest in seiner Hand, dass es nur noch ein Handgemenge unter Bauern bedurfte, um die Partie zu beenden. Ich selbst griff schon in der Anfangsphase zu so seltsamen Manövern, dass ich lange Zeit fürchten musste, als Erster meine Partie beenden zu müssen. Zwar gelang es mir im Mittelspiel, meiner Ruine einen gewissen Charme zu verleihen, doch mit der mir unverhofft in die Hände gefallenen Aktivität konnte ich nur wenige Züge gut umgehen. Wie schon in der Eröffnung gab ein extravaganter Zug das Spiel erneut aus den Händen. Mein Verlust blieb jedoch ohne schlimme Folgen für die Mannschaft.
Grzegorz überraschte alle Kiebitze im Bauernendspiel. Nicht der entfernte Freibauer seines Gegners, sondern seine eigene Bauernwalze am anderen Flügel entschied den Tag. Auch Jacek profitierte von einem Aussetzer, der das Gleichgewicht zu seinen Gunsten verschob. Als sich der Rauch nach der Zeitkontrolle lichtete, hatte er einen glatten Bauern mehr, der zudem noch weit ins feindliche Lager vorgedrungen war. Die Abwicklung in ein simples Endspiel war reine Formsache. Letzteres gelang Sven leider weit weniger gut. Zwar nahmen auch seine Bauern gewaltig Fahrt auf, benötigten dann aber Figurenunterstützung. Beim Zusammenführen der Kräfte unterlief ihm eine Ungenauigkeit, welche die Angelegenheit unnötig verkomplizierte. Am Ende stand sein tapferster Bauer zwar direkt vor der Umwandlung, doch seinem König war nicht mehr einzureden, von der Schaukelpartie mit der feindlichen Dame abzulassen.

Im Ganzen war der Mannschaftskampf zwischenzeitlich weit weniger klar, als es das Endergebnis von 5.5-2,5 vermuten lässt. Es war also abzusehen, dass wir am Sonntag gegen die nominell stärkeren Magdeburger von Aufbau-Elbe umso härter um Zählbares kämpfen mussten. Denen verhalf eine wundersame Wendung zu einem knappen Sieg über Chemnitz, weshalb uns ein echtes Spitzenspiel bevorstand. Selbstverständlich tat das unserem heiteren Abend keinen Abbruch. Da beide Magdeburger Mannschaften zum Sonntag anders aufstellten, wäre eine intensive Vorbereitung auch nicht auf fruchtbaren Boden gefallen.

Recht schnell herrschte auf Jaceks Brett eine fast völlig symmetrische Aufstellung, die keinen Ansatz für eine sehenswerte Partie bereithielt und entsprechend Remis gegeben wurde. Tomasz konnte mit den schwarzen Steinen genauso wenig Unruhe stiften und gab sich mit dem gleichen Resultat zufrieden. Problematisch wurde es dann, als Lutz in Bedrängnis geriet. Für sein zielgerichtetes Auftreten vom Vortag wurde ihm das Etikett des Vandalen umgehangen, wodurch sich seine Laufwege wieder erweiterten. Auch auf dem Brett brachte ihn sein direktes Vorgehen dieses Mal in Nachteil. Die sich in der Vorwärtsbewegung befindlichen Figuren zeigten sich außer Stande, die Koordination aufrecht zu erhalten, was umgehend die Null nach sich zog. Gleichzeitig hatte es Kura versäumt, Initiative für seinen geopferten Bauern zu erzwingen und auch Rolands Position machte auf mich einen sehr gepressten Eindruck. Für einen Lichtblick sorgte erneut Grzegorz, der aus einer geschlossenen Position heraus ein wildes Ringen anstiftete und dieses auch für sich entschied. Noch heller wurde es, als Roland seinen Gegner zum organisierten bis panischen Rückzug zwang und noch vor Beendigung der vierten Stunde gewann. Für einen Sieg bedurfte es nun noch 1,5 Punkte an drei bespielten Brettern, wobei sich Kuras Perspektiven sehr rasch verdüsterten. Svens Gewinnbemühungen standen im Schatten des Stellungspechs. Ein langer Schlagabtausch führte nur aufgrund unscheinbarer Details nicht zum Durchbruch. Im Turmendspiel behauptete er zwar einen Mehrbauern, doch die Chancen, diesen zu verwerten, waren weit schlechter als am Vortrag. Mir hatte die abendliche Reinigung in Feuer und Wasser streckenweise offenbar ganz gut getan. Ähnlich wie mein Gegner am Vortag gab ich den Eröffnungsvorteil aber nach und nach wieder aus der Hand; einen simplen taktischen Gewinn lies ich großzügig aus und fand mich nach der Zeitkontrolle in einem öde anmutenden Endspiel mit Turm und ungleichfarbigen Läufern wieder.
Sven war bei seinen 170 Zügen an diesem Wochenende kein siegbringendes Glück beschieden – auch dieses Mal konnte sein Gegner sämtliche Endspieltricks abblocken und in ein technisches Remis erzwingen. Bei mir lief es besser. Unter Mithilfe der passiven Verteidigungsstrategie meines Gegners bekam ich tatsächlich nochmals den Ausklopfer in die Hand, mit dem ich die Schwächen im feindlichen Lager großflächig bearbeiten konnte. In der Endabrechnung standen also die benötigten 4,5 Punkte auf unserem Konto.

Beide Kämpfe nahmen einen engen Verlauf – am Sonntag schienen wir zwischenzeitlich mit einem Unentschieden gut bedient zu sein. Doch durch den glücklichen Sieg haben wir uns nicht nur von einem weiteren Konkurrenten absetzen können, sondern auch noch die weitesten Auswärtsspiele der Saison erfolgreich bestritten. In der Tabelle liegen wir nun punktgleich mit Hoyerswerda auf dem ersten Platz, dicht gefolgt von den beiden Leipziger Mannschaften, die bisher nur im vereinsinternen Vergleich Punkte ließen.